Preaching the Republic

Diese Dissertation untersucht die Verbreitung der politischen Botschaft des Einparteienregimes in der Türkei zwischen 1923 und 1945 in den Provinzen, in einem postimperialen Kontext, geprägt durch die Folgen des Ersten Weltkriegs und die Auslöschung der nicht-muslimischen und nicht-türkischen Bevölkerung in Kleinasien. Sie leistet einen Beitrag zur Geschichte der Republikanischen Volkspartei (Cumhuriyet Halk Fırkası), die von 1923 bis 1950 ohne echte Machtteilung regierte, mit Fokus auf deren Provinzorganisation, insbesondere die im September 1931 gegründete Organisation der „VolkspredigerInnen" (Halk Hatipleri Teşkilâtı). Sie untersucht die Bedingungen der Zwischenkriegszeit und fragt, warum die Partei trotz Krise und Weltwirtschaftskrise in die politische Bildung von Erwachsenen investierte. Die Analyse beleuchtet Begriffe wie „münevver" (die Aufgeklärten) und „halk" (das Volk) und zeigt, wie die „Aufgeklärten" die Bühne betraten, sich an die Massen wandten und die Bevölkerung im Namen der Partei und Republik erzogen. Durch die Laufbahnen der VolkspredigerInnen leistet die Arbeit einen Beitrag zur Sozialgeschichte politischer Eliten des 20. Jahrhunderts im postimperialen Kontext. Die Dissertation untersucht sowohl den Kommunikationsapparat der Volkspartei zur Gewinnung von Unterstützung als auch das Bildungssystem der Volksprediger. Sie zeigt Zusammenhänge zwischen Wissensvermittlung, geschlechtsspezifischer Ordnung und Staatsgewalt und zeichnet die Genealogie des „Provinzintellektuellen" (taşra münevveri) in der Türkei nach. Sie zeigt, wie sich türkische Provinzintellektuelle von ihren europäischen Pendants unterschieden, etwa durch Gewaltanwendung und Einschüchterung von Dissidenten. Die Untersuchung bietet eine alternative Lesart der Einparteien-Türkei und verbindet deren postimperialen Charakter mit ihrer postgenozidalen Dimension über die Laufbahnen der VolkspredigerInnen im Kontext demographischer Umwälzungen Anatoliens.

Authors

Publication Details

Journal
edoc Publication server (Humboldt University of Berlin)
Published
2026-10-30
DOI
https://doi.org/10.18452/37837
Primary Topic
Historical Turkish Studies
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
0.00
Controls
|||
ALL TIME
JAN
FEB
MAR
APR
MAY
JUN
JUL
AUG
SEP
OCT
article

Preaching the Republic

Bengisu Zeynep Ertugrul
edoc Publication server (Humboldt University of Berlin)
Historical Turkish Studies
article

Preaching the Republic

Bengisu Zeynep Ertugrul
article en

Abstract

Diese Dissertation untersucht die Verbreitung der politischen Botschaft des Einparteienregimes in der Türkei zwischen 1923 und 1945 in den Provinzen, in einem postimperialen Kontext, geprägt durch die Folgen des Ersten Weltkriegs und die Auslöschung der nicht-muslimischen und nicht-türkischen Bevölkerung in Kleinasien. Sie leistet einen Beitrag zur Geschichte der Republikanischen Volkspartei (Cumhuriyet Halk Fırkası), die von 1923 bis 1950 ohne echte Machtteilung regierte, mit Fokus auf deren Provinzorganisation, insbesondere die im September 1931 gegründete Organisation der „VolkspredigerInnen" (Halk Hatipleri Teşkilâtı). Sie untersucht die Bedingungen der Zwischenkriegszeit und fragt, warum die Partei trotz Krise und Weltwirtschaftskrise in die politische Bildung von Erwachsenen investierte. Die Analyse beleuchtet Begriffe wie „münevver" (die Aufgeklärten) und „halk" (das Volk) und zeigt, wie die „Aufgeklärten" die Bühne betraten, sich an die Massen wandten und die Bevölkerung im Namen der Partei und Republik erzogen. Durch die Laufbahnen der VolkspredigerInnen leistet die Arbeit einen Beitrag zur Sozialgeschichte politischer Eliten des 20. Jahrhunderts im postimperialen Kontext. Die Dissertation untersucht sowohl den Kommunikationsapparat der Volkspartei zur Gewinnung von Unterstützung als auch das Bildungssystem der Volksprediger. Sie zeigt Zusammenhänge zwischen Wissensvermittlung, geschlechtsspezifischer Ordnung und Staatsgewalt und zeichnet die Genealogie des „Provinzintellektuellen" (taşra münevveri) in der Türkei nach. Sie zeigt, wie sich türkische Provinzintellektuelle von ihren europäischen Pendants unterschieden, etwa durch Gewaltanwendung und Einschüchterung von Dissidenten. Die Untersuchung bietet eine alternative Lesart der Einparteien-Türkei und verbindet deren postimperialen Charakter mit ihrer postgenozidalen Dimension über die Laufbahnen der VolkspredigerInnen im Kontext demographischer Umwälzungen Anatoliens.

edoc Publication server (Humboldt University of Berlin)
Peace, justice, and strong institutions
Openalex Percentile: Top 4%
Historical Turkish Studies
AI Navigator

Ask Laika to Summarize, Analyze, and Connect papers live on the map.

Summarize Papers & Methodologies

Extract key findings, datasets, and comparative methods across publications.

Benchmark Rankings & Visual Analytics

Rank top research institutions, authors, funders, topics, and journals by Field-Weighted Citation Impact (FWCI) and paper volume with instant charts.

Connect Distant Disciplines

Bridge topological clusters on the map to find hidden collaborative intersections.

Laika access coming soon