Mehr als arbeitsfreie Zeit: Zur Erweiterung des Recovery-Experience-Modells im touristischen Kontext

Zusammenfassung Arbeitsbedingter Stress und eingeschränkte Erholungsmöglichkeiten stellen für viele Erwerbstätige eine zunehmende Belastung dar. Urlaub nimmt unter den Erholungsformen eine besondere Stellung ein, da er eine erweiterte zeitliche und räumliche Möglichkeit für psychologische Distanzierung als zentralen Erholungsindikator und nachfolgende Regeneration eröffnet. Das Recovery-Experience-Modell (Sonnentag und Fritz 2007, 205 f.) bietet einen etablierten arbeitspsychologischen Rahmen zur Abbildung von Erholungsprozessen, wurde jedoch primär für alltägliche Erholungsphasen entwickelt. Der vorliegende Beitrag untersucht, welche Dimensionen des Modells im Kontext touristischer Erholungsreisen tragfähig sind und wo tourismusspezifische Erweiterungen erforderlich werden. Auf Grundlage einer qualitativen Prozessstudie mit leitfadengestützten Interviews (N = 6, Ersterhebung während des Urlaubs; N = 4, Follow-Up nach der Rückkehr) wurden Erholungserfahrungen berufstätiger Urlaubender in Büsum inhaltsanalytisch sowie anhand einer fallbezogenen Verlaufsanalyse über beide Erhebungszeitpunkte hinweg ausgewertet. Psychological Detachment, Relaxation und Control erwiesen sich auch im Urlaubskontext als zentrale Erholungsdimensionen. Mastery Experiences traten nur vereinzelt hervor. Induktiv wurden drei zusätzliche Erlebnisdimensionen identifiziert: Unavailability, Nature Immersion sowie Satisfaction . Im Zentrum der Analyse steht darüber hinaus die Rekonstruktion, wie die Bedeutung dieser Erholungserfahrungen zwischen Urlaub und Rückkehr hergestellt, bestätigt oder verändert wird. Die Follow-Up-Befunde zeigen, wie organisationale Ressourcen und individuelle Neubewertungsprozesse die zeitliche Stabilität der Urlaubswirkung beeinflussen.

Authors

Institutions

Publication Details

Journal
Zeitschrift für Tourismuswissenschaft
Published
2026-10-07
DOI
https://doi.org/10.1515/tw-2026-0027
Primary Topic
Recreation, Leisure, Wilderness Management
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
0.00
Controls
|||
ALL TIME
JAN
FEB
MAR
APR
MAY
JUN
JUL
AUG
SEP
OCT
article

Mehr als arbeitsfreie Zeit: Zur Erweiterung des Recovery-Experience-Modells im touristischen Kontext

Jule Wille
Zeitschrift für Tourismuswissenschaft
Recreation, Leisure, Wilderness Management
article

Mehr als arbeitsfreie Zeit: Zur Erweiterung des Recovery-Experience-Modells im touristischen Kontext

Jule Wille
article en

Abstract

Zusammenfassung Arbeitsbedingter Stress und eingeschränkte Erholungsmöglichkeiten stellen für viele Erwerbstätige eine zunehmende Belastung dar. Urlaub nimmt unter den Erholungsformen eine besondere Stellung ein, da er eine erweiterte zeitliche und räumliche Möglichkeit für psychologische Distanzierung als zentralen Erholungsindikator und nachfolgende Regeneration eröffnet. Das Recovery-Experience-Modell (Sonnentag und Fritz 2007, 205 f.) bietet einen etablierten arbeitspsychologischen Rahmen zur Abbildung von Erholungsprozessen, wurde jedoch primär für alltägliche Erholungsphasen entwickelt. Der vorliegende Beitrag untersucht, welche Dimensionen des Modells im Kontext touristischer Erholungsreisen tragfähig sind und wo tourismusspezifische Erweiterungen erforderlich werden. Auf Grundlage einer qualitativen Prozessstudie mit leitfadengestützten Interviews (N = 6, Ersterhebung während des Urlaubs; N = 4, Follow-Up nach der Rückkehr) wurden Erholungserfahrungen berufstätiger Urlaubender in Büsum inhaltsanalytisch sowie anhand einer fallbezogenen Verlaufsanalyse über beide Erhebungszeitpunkte hinweg ausgewertet. Psychological Detachment, Relaxation und Control erwiesen sich auch im Urlaubskontext als zentrale Erholungsdimensionen. Mastery Experiences traten nur vereinzelt hervor. Induktiv wurden drei zusätzliche Erlebnisdimensionen identifiziert: Unavailability, Nature Immersion sowie Satisfaction . Im Zentrum der Analyse steht darüber hinaus die Rekonstruktion, wie die Bedeutung dieser Erholungserfahrungen zwischen Urlaub und Rückkehr hergestellt, bestätigt oder verändert wird. Die Follow-Up-Befunde zeigen, wie organisationale Ressourcen und individuelle Neubewertungsprozesse die zeitliche Stabilität der Urlaubswirkung beeinflussen.

Zeitschrift für Tourismuswissenschaft
West Coast University of Applied Sciences (DE)
Openalex Percentile: Top 7%
Recreation, Leisure, Wilderness Management
AI Navigator

Ask Laika to Summarize, Analyze, and Connect papers live on the map.

Summarize Papers & Methodologies

Extract key findings, datasets, and comparative methods across publications.

Benchmark Rankings & Visual Analytics

Rank top research institutions, authors, funders, topics, and journals by Field-Weighted Citation Impact (FWCI) and paper volume with instant charts.

Connect Distant Disciplines

Bridge topological clusters on the map to find hidden collaborative intersections.