Reconstructing food democracy

Das Konzept der Ernährungsdemokratie (food democracy) wurde seit den 1990er Jahren entwickelt und genutzt, um die öffentliche Beteiligung an der Gestaltung von Ernährungspolitik zu fördern. Seine weitergehenden Bezüge zur Demokratietheorie wurden jedoch bislang nur selten analysiert. In dieser Arbeit werden Verwendungen und Verständnisse des Konzepts der Ernährungsdemokratie in der wissenschaftlichen Literatur, im Governance-Diskurs sowie unter Akteur:innen der Ernährungspolitik untersucht, um folgende Frage zu beantworten: Welche Kernelemente umfasst die Ernährungsdemokratie und wie kann dieses Konzept unterschiedliche Formen öffentlicher, privater und zivilgesellschaftlicher Beteiligung im Sinne einer demokratischen Ernährungsgovernance legitimieren? Dazu werden zunächst die vielfältigen Dimensionen der Ernährungsdemokratie in der akademischen Literatur seit der ursprünglichen Formulierung des Konzepts in einer systematischen Literaturanalyse rekonstruiert und unterschiedliche Strömungen liberaler sowie deliberativ-partizipativer Modelle der Ernährungsdemokratie identifiziert. Zweitens untersucht eine Diskursanalyse die Konzeptualisierung von Macht und Legitimität in Diskursen zur Ernährungsdemokratie. Ein Vergleich mit Konzepten der Ko-Regulierung im Diskurs der Ernährungsgovernance zeigt dabei erhebliche Überschneidungen mit liberalen Varianten der Ernährungsdemokratie. Drittens untersucht eine Q-Methoden-Studie, welche Varianten der Ernährungsdemokratie bei ernährungspolitischem Aktivisten:innen aus 16 US-amerikanischen Food Policy Councils Anklang finden. Die Studie rekonstruiert vier unterschiedliche Sichtweisen, die jedoch eine gemeinsame Präferenz für soziale Gerechtigkeit und Entpolitisierung in einem polarisierten politischen Kontext teilen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird die Frage nach den Kernelementen der Ernährungsdemokratie durch die Anerkennung unterschiedlicher Ausprägungen – von „dünnen“, liberalen, marktorientierten bis hin zu „dicken“, deliberativen, bürgerschaftlich orientierten Definitionen – beantwortet. Insgesamt trägt diese Arbeit dazu bei, die Verbindungen zwischen sektorspezifischen Demokratiekonzepten (z. B. Ernährungsdemokratie, Umweltdemokratie, Energiedemokratie) und Typologien der Demokratietheorie auf Ebene politischer Systeme zu verdeutlichen. Gleichzeitig ermöglicht ihr mehrschichtig Ansatz, Qualitäten in unterschiedlichen Aspekten und auf verschiedenen Ebenen der Ernährungs Governance zu differenzieren und zu bewerten.

Authors

Publication Details

Journal
edoc Publication server (Humboldt University of Berlin)
Published
2026-10-06
DOI
https://doi.org/10.18452/39108
Primary Topic
Political Theory and Democracy
Type
article
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Reconstructing food democracy

Julia Behringer
edoc Publication server (Humboldt University of Berlin)
Political Theory and Democracy
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Reconstructing food democracy

Julia Behringer
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Abstract

Das Konzept der Ernährungsdemokratie (food democracy) wurde seit den 1990er Jahren entwickelt und genutzt, um die öffentliche Beteiligung an der Gestaltung von Ernährungspolitik zu fördern. Seine weitergehenden Bezüge zur Demokratietheorie wurden jedoch bislang nur selten analysiert. In dieser Arbeit werden Verwendungen und Verständnisse des Konzepts der Ernährungsdemokratie in der wissenschaftlichen Literatur, im Governance-Diskurs sowie unter Akteur:innen der Ernährungspolitik untersucht, um folgende Frage zu beantworten: Welche Kernelemente umfasst die Ernährungsdemokratie und wie kann dieses Konzept unterschiedliche Formen öffentlicher, privater und zivilgesellschaftlicher Beteiligung im Sinne einer demokratischen Ernährungsgovernance legitimieren? Dazu werden zunächst die vielfältigen Dimensionen der Ernährungsdemokratie in der akademischen Literatur seit der ursprünglichen Formulierung des Konzepts in einer systematischen Literaturanalyse rekonstruiert und unterschiedliche Strömungen liberaler sowie deliberativ-partizipativer Modelle der Ernährungsdemokratie identifiziert. Zweitens untersucht eine Diskursanalyse die Konzeptualisierung von Macht und Legitimität in Diskursen zur Ernährungsdemokratie. Ein Vergleich mit Konzepten der Ko-Regulierung im Diskurs der Ernährungsgovernance zeigt dabei erhebliche Überschneidungen mit liberalen Varianten der Ernährungsdemokratie. Drittens untersucht eine Q-Methoden-Studie, welche Varianten der Ernährungsdemokratie bei ernährungspolitischem Aktivisten:innen aus 16 US-amerikanischen Food Policy Councils Anklang finden. Die Studie rekonstruiert vier unterschiedliche Sichtweisen, die jedoch eine gemeinsame Präferenz für soziale Gerechtigkeit und Entpolitisierung in einem polarisierten politischen Kontext teilen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird die Frage nach den Kernelementen der Ernährungsdemokratie durch die Anerkennung unterschiedlicher Ausprägungen – von „dünnen“, liberalen, marktorientierten bis hin zu „dicken“, deliberativen, bürgerschaftlich orientierten Definitionen – beantwortet. Insgesamt trägt diese Arbeit dazu bei, die Verbindungen zwischen sektorspezifischen Demokratiekonzepten (z. B. Ernährungsdemokratie, Umweltdemokratie, Energiedemokratie) und Typologien der Demokratietheorie auf Ebene politischer Systeme zu verdeutlichen. Gleichzeitig ermöglicht ihr mehrschichtig Ansatz, Qualitäten in unterschiedlichen Aspekten und auf verschiedenen Ebenen der Ernährungs Governance zu differenzieren und zu bewerten.

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