Filmisches Denken im Exil. Joseph Roths unverfilmte Treatments und die Revision seiner Kinoästhetik
Der Beitrag revidiert das gängige Bild eines grundsätzlich filmkritischen Joseph Roth, das vor allem von der Polemik Der Antichrist (1934) geprägt wurde. Anhand der drei unverfilmten Treatments Kinder des Bösen (1938), Der letzte Karneval von Wien (1938) und Die Eiffel ist eine sehr entlegene … (1939) wird gezeigt, dass Roth keineswegs als medienferner Literat zu verstehen ist. Vielmehr lassen sich diese Texte als Ausdruck einer reflektierten filmästhetischen Praxis, die auf seiner langjährigen Tätigkeit als Filmkritiker basiert, lesen. Die Treatments setzen zentrale Kategorien seiner Kinoästhetik — Spannung, Tempo, affektive Verdichtung und die Verbindung von Unterhaltung und Aufklärung — in bewusst genreorientierte Erzählstrukturen um. Damit erscheinen sie nicht als bloße ökonomische Exilprojekte, sondern als Versuche, literarische und filmische Verfahren produktiv miteinander zu verbinden. Die unverwirklichten Filmentwürfe lassen sich als ein bislang wenig beachteter Zugang für eine Neubewertung von Roths Medienästhetik und seiner Exilpoetik lesen und stellen die Annahme seiner grundsätzlichen Kinoablehnung nachhaltig infrage.
Authors
- Aneta Jachimowicz (ORCID: https://orcid.org/0000-0001-5203-0760)
Institutions
- University of Warmia and Mazury in Olsztyn (PL)
Publication Details
- Journal
- Oxford German Studies
- Published
- 2026-09-30
- DOI
- https://doi.org/10.1080/00787191.2026.2706487
- Primary Topic
- Literature and Cultural Memory
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
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