Seeds of Care in Fields of Crisis

Aus verschiedenen Richtungen kommend steht Landwirtschaft zunehmend unter Druck, sich zu verändern. Im Kontext der Klima- und Biodiversitätskrisen gilt Landwirtschaft sowohl als Treiber als auch als zentral betroffener Sektor. Darüber hinaus existieren weiterhin Verteilungsungerechtigkeiten im Ernährungssystem sowie eine wachsende Unzufriedenheit mit dem Status quo bei zahlreichen Akteur*innen. Die Situation ist komplex und die Herausforderungen sind tiefgreifend. Welche Aspekte der Landwirtschaft sollten sich verändern? In welche Richtung – und wie? Die schwer fassbaren Begriffe Nachhaltigkeit und Transformation stehen im Zentrum eines breiten und einflussreichen Diskurses, der Politik, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen durchzieht. Diese Dissertation untersucht die möglichen Beiträge, die feministische Theorien – insbesondere feministische Ökonomiekritik und ökofeministische Ansätze – zu laufenden Debatten in den Agrarwissenschaften und der Agrarpolitik leisten können. Innerhalb von fünf eigenständigen Artikeln werden potenzielle Ansatzpunkte identifiziert, wobei insbesondere das Verhältnis von Produktion und Reproduktion sowie dessen Verflechtung mit vergeschlechtlichten Strukturen in landwirtschaftlichen Kontexten kritisch beleuchtet werden. Die Dissertation argumentiert, dass eine feministische Perspektive, welche die reproduktiven Aspekte und Sorgepraktiken im Kontext agrarischer Produktion in den Fokus nimmt, das Verständnis, die Bewertung und die Priorisierung von Nachhaltigkeit und Transformation in der Landwirtschaft grundlegend verändert. Nachhaltigkeit wird nicht als Ziel begriffen, das es zu erreichen gilt, sondern als eine fortlaufende, situierte Praxis, die in landwirtschaftliche Tätigkeiten eingebettet ist und diese selbst konstituiert. Dieses Verständnis erfordert einen Prozess der kontinuierlichen Aushandlung sowie die Anerkennung vielfältiger Perspektiven und Beiträge zum artenübergreifenden Wohlbefinden.

Authors

Publication Details

Journal
edoc Publication server (Humboldt University of Berlin)
Published
2026-09-30
DOI
https://doi.org/10.18452/38836
Primary Topic
Agriculture, Land Use, Rural Development
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
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Seeds of Care in Fields of Crisis

Susanne Brettin
edoc Publication server (Humboldt University of Berlin)
Agriculture, Land Use, Rural Development
article

Seeds of Care in Fields of Crisis

Susanne Brettin
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Abstract

Aus verschiedenen Richtungen kommend steht Landwirtschaft zunehmend unter Druck, sich zu verändern. Im Kontext der Klima- und Biodiversitätskrisen gilt Landwirtschaft sowohl als Treiber als auch als zentral betroffener Sektor. Darüber hinaus existieren weiterhin Verteilungsungerechtigkeiten im Ernährungssystem sowie eine wachsende Unzufriedenheit mit dem Status quo bei zahlreichen Akteur*innen. Die Situation ist komplex und die Herausforderungen sind tiefgreifend. Welche Aspekte der Landwirtschaft sollten sich verändern? In welche Richtung – und wie? Die schwer fassbaren Begriffe Nachhaltigkeit und Transformation stehen im Zentrum eines breiten und einflussreichen Diskurses, der Politik, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen durchzieht. Diese Dissertation untersucht die möglichen Beiträge, die feministische Theorien – insbesondere feministische Ökonomiekritik und ökofeministische Ansätze – zu laufenden Debatten in den Agrarwissenschaften und der Agrarpolitik leisten können. Innerhalb von fünf eigenständigen Artikeln werden potenzielle Ansatzpunkte identifiziert, wobei insbesondere das Verhältnis von Produktion und Reproduktion sowie dessen Verflechtung mit vergeschlechtlichten Strukturen in landwirtschaftlichen Kontexten kritisch beleuchtet werden. Die Dissertation argumentiert, dass eine feministische Perspektive, welche die reproduktiven Aspekte und Sorgepraktiken im Kontext agrarischer Produktion in den Fokus nimmt, das Verständnis, die Bewertung und die Priorisierung von Nachhaltigkeit und Transformation in der Landwirtschaft grundlegend verändert. Nachhaltigkeit wird nicht als Ziel begriffen, das es zu erreichen gilt, sondern als eine fortlaufende, situierte Praxis, die in landwirtschaftliche Tätigkeiten eingebettet ist und diese selbst konstituiert. Dieses Verständnis erfordert einen Prozess der kontinuierlichen Aushandlung sowie die Anerkennung vielfältiger Perspektiven und Beiträge zum artenübergreifenden Wohlbefinden.

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Agriculture, Land Use, Rural Development
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