Tourismus und Postkolonialismus – Narrative, Vermarktung und Machtstrukturen in der Bildsprache deutscher Namibia-Reiseangebote
Zusammenfassung Die Studie untersucht, inwiefern deutschsprachige Reisekataloge über Namibia koloniale Narrative in ihrer Bildsprache fortschreiben und damit symbolische Machtverhältnisse zwischen Reisenden aus ehemaligen Kolonialmächten und der lokalen Bevölkerung stabilisieren. Auf Grundlage postkolonialer Theorie wird analysiert, wie Namibia visuell konstruiert wird und welche Darstellungen von Natur, Lokalbevölkerung und Tourist:innen bestehen. Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Inhaltsanalyse von 365 Bildern aus zehn Reisekatalogen sowie einer qualitativen semiotischen Analyse von 20 Beispielen. Die Ergebnisse zeigen eine klare Dominanz von Naturdarstellungen, die Namibia als menschenleeren, ursprünglichen und konsumierbaren Raum inszenieren. Die lokale Bevölkerung erscheint häufig marginalisiert, exotisiert oder auf traditionelle Rollen reduziert, während weiße Tourist:innen als aktive und privilegierte Subjekte dargestellt werden. Diese Bildwelten verfestigen Stereotype und reproduzieren subtile Machtstrukturen. Die Studie unterstreicht daher die Notwendigkeit einer Dekolonialisierung des touristischen Blicks.
Authors
- Kathrin Bartl
Institutions
- Munich University of Applied Sciences (DE)
Publication Details
- Journal
- Zeitschrift für Tourismuswissenschaft
- Published
- 2026-09-29
- DOI
- https://doi.org/10.1515/tw-2026-0020
- Primary Topic
- Ecology, Conservation, and Geographical Studies
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
- 0.00