Das Geschenk, das bleibt: Inschriften als Produzenten ritueller Handlungslogiken
Zusammenfassung Durch die Fokussierung auf die Wirkung ritueller Inschriften trägt diese Studie zum Verständnis von römischen Opferpraktiken als dynamisches Zusammenspiel von Handlung, Objekt und Text bei. Opfer werden in diesem Beitrag als Medium religiöser Kommunikation verstanden – als Materialisierung der Interaktion zwischen Menschen und Göttern durch die Übertragung von Objekten. Eine solche Übertragung beschränkt sich nicht auf die Zerstörung des Opfers durch Verbrennung, Versenkung oder dergleichen, sondern umfasst auch die rituelle Rahmung, die Ritualisierung, die die Handlung zum Ritual macht. Nicht nur die Wahl des Objekts, das geopfert wird, sondern auch seine rituelle Definition kennzeichnen die Handlung als außergewöhnlich und wirksam. Inschriften verankern und verstärken dieses performative Moment; sie werden selbst zum Geschenk. Mit ihrer dauerhaften Präsenz in ritualisierten Räumen weisen sie auf vergangene Handlungen und gestalten den rituellen Rahmen, indem sie mit ihrem eigenen Wortlaut nahelegen, was als angemessen erachtet wird; sie bieten eine Sprache für rituelles Sprechen an und nehmen eine Deutung des Rituals weit über die Durchführung hinaus vor. Zugleich lenkt der materialisierte Text die Aufmerksamkeit auf die zeitliche und mediale Komplexität, die der rituellen Handlung innewohnt.
Authors
- Jörg Rüpke (ORCID: https://orcid.org/0000-0002-4173-9587)
- Sofia Bianchi Mancini (ORCID: https://orcid.org/0000-0002-6167-0986)
Institutions
- University of Erfurt (DE)
Publication Details
- Journal
- Zeitschrift für Religionswissenschaft
- Published
- 2026-09-10
- DOI
- https://doi.org/10.1515/zfr-2026-0023
- Primary Topic
- Classical Antiquity Studies
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
- 0.00