Frieden unter Verdacht
Zusammenfassung Der Beitrag untersucht, wie pazifistische Akteure und Positionen im deutschen sicherheitspolitischen Diskurs seit dem russischen Angriff auf die Ukraine delegitimiert werden. Ausgehend von Ernesto Laclaus Diskurstheorie wird Delegitimierung als hegemoniale Praxis verstanden, die ein politisches „Innen“ verantwortlicher Sicherheitspolitik und ein „Außen“ naiver, selbstgerechter oder feinddienlicher Friedenspositionen erzeugt. Anhand exemplarischer politischer und medialer Bezugnahmen zeigt der Beitrag, dass die Auseinandersetzung mit pazifistischen Positionen in den untersuchten Fällen häufig von der argumentativen Prüfung hin zu moralischen, epistemischen oder loyalitätspolitischen Zuschreibungen verschoben wird. Zentrales Argument ist, dass die Delegitimierung zwar formal an prorussische oder gewaltrelativierende Erscheinungsformen des Friedensdiskurses adressiert ist, ihre diskursive Wirkung jedoch gerade jene pazifistischen Strömungen mittrifft, deren Funktion im Offenhalten politischer Denkräume besteht. Damit verliert der demokratische Diskurs eine spezifische Reflexionsleistung.
Authors
- Phillip Bektas Kremser
Publication Details
- Journal
- Forschungsjournal Soziale Bewegungen
- Published
- 2026-09-09
- DOI
- https://doi.org/10.1515/fjsb-2026-3005
- Primary Topic
- Peacebuilding and International Security
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
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