Schritt für Schritt zum digitalen Sozialstaat? Eine empirische Analyse zur Zugänglichkeit von elektronischer Patientenakte und digitaler Rentenübersicht

Zusammenfassung Die elektronische Patientenakte und die digitale Rentenübersicht sind zwei neuartige sozialpolitische Digitalisierungsprojekte. Sie sollen personalisierte Informationen bündeln und Bürger*innen dazu befähigen, souveräne Entscheidungen zu treffen. Der Beitrag untersucht empirisch, wie zugänglich diese Portale für die Bevölkerung sind. Auf theoretischer Ebene werden Stufenmodelle der Inanspruchnahmeforschung um die Herausforderungen digitaler Zugangsprozesse erweitert. Hierzu wird das Konzept der administrativen Hürden herangezogen. Die empirische Grundlage besteht aus einer bevölkerungsrepräsentativen Face-to-Face-Befragung (n = 1.077) sowie einer Ergänzungsstichprobe aktiver Portalnutzer*innen (n = 220), die Anfang 2026 erhoben wurde. Die Befunde zeigen, dass beide Portale bislang nur von einem kleinen, sozial selektiven Teil der Bevölkerung genutzt werden. Bei der ePA erweist sich der Registrierungsprozess als zentrale Barriere: Technisch-organisatorische Hürden, fehlende Identifizierungsmöglichkeiten und die wahrgenommene Komplexität sind zentrale Zugangsprobleme. Bei der digitalen Rentenübersicht liegen die Zugangsprobleme primär in geringer Bekanntheit und schwachem Nutzungsinteresse. Deskriptive und multivariate Analysen zeigen, dass Einkommen, Bildung und digitale Affinität – für die Zugänglichkeit zu den digitalen sozialpolitischen Angeboten von zentraler Bedeutung sind. Zudem lassen sich kumulative Lerneffekte erkennen. Nutzer*innen eines Portals verwenden mit höherer Wahrscheinlichkeit auch das andere. Der Beitrag zeigt, dass Zugänglichkeit als eigenständiger Gegenstand sozialstaatlicher Gestaltung betrachtet werden muss. Bislang sind die Portale für breite – insbesondere sozio-ökonomisch schlechter gestellte – Teile der Bevölkerung schwer zugänglich.

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Publication Details

Journal
Zeitschrift für Sozialreform
Published
2026-09-04
DOI
https://doi.org/10.1515/zsr-2026-0017
Primary Topic
Social Policies and Healthcare Reform
Type
article
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Schritt für Schritt zum digitalen Sozialstaat? Eine empirische Analyse zur Zugänglichkeit von elektronischer Patientenakte und digitaler Rentenübersicht

Felix Wilke, Wesley Preßler
Zeitschrift für Sozialreform
Social Policies and Healthcare Reform
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Schritt für Schritt zum digitalen Sozialstaat? Eine empirische Analyse zur Zugänglichkeit von elektronischer Patientenakte und digitaler Rentenübersicht

Felix Wilke, Wesley Preßler
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Abstract

Zusammenfassung Die elektronische Patientenakte und die digitale Rentenübersicht sind zwei neuartige sozialpolitische Digitalisierungsprojekte. Sie sollen personalisierte Informationen bündeln und Bürger*innen dazu befähigen, souveräne Entscheidungen zu treffen. Der Beitrag untersucht empirisch, wie zugänglich diese Portale für die Bevölkerung sind. Auf theoretischer Ebene werden Stufenmodelle der Inanspruchnahmeforschung um die Herausforderungen digitaler Zugangsprozesse erweitert. Hierzu wird das Konzept der administrativen Hürden herangezogen. Die empirische Grundlage besteht aus einer bevölkerungsrepräsentativen Face-to-Face-Befragung (n = 1.077) sowie einer Ergänzungsstichprobe aktiver Portalnutzer*innen (n = 220), die Anfang 2026 erhoben wurde. Die Befunde zeigen, dass beide Portale bislang nur von einem kleinen, sozial selektiven Teil der Bevölkerung genutzt werden. Bei der ePA erweist sich der Registrierungsprozess als zentrale Barriere: Technisch-organisatorische Hürden, fehlende Identifizierungsmöglichkeiten und die wahrgenommene Komplexität sind zentrale Zugangsprobleme. Bei der digitalen Rentenübersicht liegen die Zugangsprobleme primär in geringer Bekanntheit und schwachem Nutzungsinteresse. Deskriptive und multivariate Analysen zeigen, dass Einkommen, Bildung und digitale Affinität – für die Zugänglichkeit zu den digitalen sozialpolitischen Angeboten von zentraler Bedeutung sind. Zudem lassen sich kumulative Lerneffekte erkennen. Nutzer*innen eines Portals verwenden mit höherer Wahrscheinlichkeit auch das andere. Der Beitrag zeigt, dass Zugänglichkeit als eigenständiger Gegenstand sozialstaatlicher Gestaltung betrachtet werden muss. Bislang sind die Portale für breite – insbesondere sozio-ökonomisch schlechter gestellte – Teile der Bevölkerung schwer zugänglich.

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