Anlegerverhalten im Spiegel der Zeit – Die Kapitalmarktreaktionen auf Kauf- und Verkaufsempfehlungen im „Effecten-Spiegel“

Zusammenfassung Bereits vor über 30 Jahren untersuchten Pieper et al. (1993) die Aktienkaufempfehlungen im „Effecten-Spiegel“ und dokumentierten den geringen Anlageerfolg für die Investoren, die den Kaufempfehlungen dieser Zeitschrift regelmäßig gefolgt wären. Sowohl das Magazin als auch die Rubrik der Kaufempfehlungen gibt es nach wie vor. Damit bietet sich die seltene Gelegenheit, Kapitalmarktreaktionen auf ein und dieselbe Informationsquelle über mehr als drei Jahrzehnte miteinander zu vergleichen und damit zum Verständnis über das Lernen von Privatanlegern über die Zeit beizutragen und die anhaltende Bedeutung papierbasierter Informationsmedien zu erfassen. Dementsprechend untersucht diese Studie wieder die Kapitalmarktreaktionen auf die Kauf- und Verkaufsempfehlungen des Effecten-Spiegels und findet erneut auffällige Kursdynamiken bereits mehrere Handelstage vor der öffentlichen Zugänglichkeit der Empfehlungen und marginale Renditen zum Erscheinen. Signifikante Veränderungen im Handelsvolumen am Erscheinungstag unterstreichen die weiterhin gegebene Relevanz des Effecten-Spiegels für Anlageentscheidungen. Zusätzlich weisen Kaufempfehlungen für Aktien mit kleinerer Marktkapitalisierung, „spekulative“ Kaufempfehlungen und Empfehlungen mit größerem Abstand zur letzten Empfehlung der gleichen Aktie höhere Renditen auf. Verkaufsempfehlungen führen hingegen zu keinen signifikanten Reaktionen nach der Veröffentlichung. Die Ergebnisse können mit der Aufmerksamkeitshypothese erklärt werden, weisen aber auch darauf hin, dass wissenschaftliche Erkenntnisse, die auf einen geringen Anlageerfolg bei der Nutzung spezifischer Informationsquellen hindeuten, kaum Einfluss auf Entscheidungen von Anlegern haben.

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Journal
Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft
Published
2026-08-13
DOI
https://doi.org/10.15375/zbb-2026-0304
Primary Topic
Diverse Specialized Academic Research
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
0.00
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article

Anlegerverhalten im Spiegel der Zeit – Die Kapitalmarktreaktionen auf Kauf- und Verkaufsempfehlungen im „Effecten-Spiegel“

Ute Vanini, Marc Strauß, Leonard Grebe, Dirk Schiereck
Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft
Diverse Specialized Academic Research
article

Anlegerverhalten im Spiegel der Zeit – Die Kapitalmarktreaktionen auf Kauf- und Verkaufsempfehlungen im „Effecten-Spiegel“

Ute Vanini, Marc Strauß, Leonard Grebe, Dirk Schiereck
article en

Abstract

Zusammenfassung Bereits vor über 30 Jahren untersuchten Pieper et al. (1993) die Aktienkaufempfehlungen im „Effecten-Spiegel“ und dokumentierten den geringen Anlageerfolg für die Investoren, die den Kaufempfehlungen dieser Zeitschrift regelmäßig gefolgt wären. Sowohl das Magazin als auch die Rubrik der Kaufempfehlungen gibt es nach wie vor. Damit bietet sich die seltene Gelegenheit, Kapitalmarktreaktionen auf ein und dieselbe Informationsquelle über mehr als drei Jahrzehnte miteinander zu vergleichen und damit zum Verständnis über das Lernen von Privatanlegern über die Zeit beizutragen und die anhaltende Bedeutung papierbasierter Informationsmedien zu erfassen. Dementsprechend untersucht diese Studie wieder die Kapitalmarktreaktionen auf die Kauf- und Verkaufsempfehlungen des Effecten-Spiegels und findet erneut auffällige Kursdynamiken bereits mehrere Handelstage vor der öffentlichen Zugänglichkeit der Empfehlungen und marginale Renditen zum Erscheinen. Signifikante Veränderungen im Handelsvolumen am Erscheinungstag unterstreichen die weiterhin gegebene Relevanz des Effecten-Spiegels für Anlageentscheidungen. Zusätzlich weisen Kaufempfehlungen für Aktien mit kleinerer Marktkapitalisierung, „spekulative“ Kaufempfehlungen und Empfehlungen mit größerem Abstand zur letzten Empfehlung der gleichen Aktie höhere Renditen auf. Verkaufsempfehlungen führen hingegen zu keinen signifikanten Reaktionen nach der Veröffentlichung. Die Ergebnisse können mit der Aufmerksamkeitshypothese erklärt werden, weisen aber auch darauf hin, dass wissenschaftliche Erkenntnisse, die auf einen geringen Anlageerfolg bei der Nutzung spezifischer Informationsquellen hindeuten, kaum Einfluss auf Entscheidungen von Anlegern haben.

Zeitschrift für Bankrecht und BankwirtschaftVol. 38(3)
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