Mindfulness: a double-edged sword for prosociality?

Der Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und prosozialem Verhalten wurde in der Sozialpsychologie oft untersucht, die Befundlage bleibt jedoch widersprüchlich. Während metaanalytische Befunde auf einen positiven Zusammenhang hindeuten, berichten einige Studien Nullergebnisse oder sogar negative Effekte, insbesondere wenn prosoziales Verhalten durch objektive Verhaltensmaße statt durch Selbstberichte erfasst wird. Die vorliegende Studie adressiert diese methodische Lücke, indem sie untersucht, ob dispositionelle Trait-Achtsamkeit kooperatives Verhalten in einem komplexen Intergruppenkontext vorhersagt mit Hilfe der Verwendung des Intergroup Parochial and Universal Cooperation (IPUC) Games. Das IPUC-Game ermöglicht die Unterscheidung zwischen vier verschiedenen Verhaltensstrategien: schwacher parochiale Kooperation (Begünstigung der Eigengruppe), starker parochialer Kooperation (Begünstigung der Eigengruppe bei gleichzeitiger Schädigung der Fremdgruppe), universeller Kooperation (Begünstigung aller Spielenden) und Egoismus (Einbehalten der Ressourcen für sich selbst). Zur Messung der Trait-Achtsamkeit wurde der Five Facet Mindfulness Questionnaire (FFMQ) eingesetzt, der fünf Dimensionen erfasst: Beobachten, Beschreiben, Handeln mit Bewusstsein, Nicht-Urteilen und Nicht-Reagieren. Zusätzlich wurde die Identifikation der Teilnehmenden mit ihrer politischen Eigengruppe mit hilfe einer etablierten Gruppenidentitätsskala erhoben. Die Daten wurden über die Online-Rekrutierungsplattform Prolific gesammelt, mit einer Gesamtstichprobe von N = 232 US-amerikanischen Teilnehmenden, die sich als Demokraten oder Republikaner identifizierten, was die Bildung natürlicher Intergruppenkonstellationen ermöglichte. Die Hauptanalyse ergab, dass die allgemeine Trait-Achtsamkeit keine der drei kooperativen Pools signifikant vorhersagte. Diese Befunde deuten darauf hin, dass Achtsamkeit in Intergruppenkontexten nicht als direkter Treiber spezifischer prosozialer Verhaltensweisen fungiert. Achtsamkeit erwies sich jedoch als signifikant negativer Prädiktor für egoistisches Ressourcenbehalten (Pool 4; B = −1,44, p = ,002, adjustiertes R² = ,04), was darauf hindeutet, dass achtsamere Personen weniger dazu neigen, persönlichen monetären Gewinn zu priorisieren. Aufgrund der Nullsummenstruktur des IPUC-Games impliziert diese Reduktion des Egoismus eine Umverteilung von Ressourcen hin zu kollektiven Optionen, ohne dass ein einzelner prosozialer Pool signifikant davon profitierte. Explorative Analysen lieferten weitere Differenzierungen. Unter den fünf FFMQ-Facetten wurde Nicht-Reagieren als primärer Treiber des reduzierten Egoismus identifiziert (β = −,19, p = ,011), was darauf hindeutet, dass die Fähigkeit, innere Impulse wahrzunehmen, ohne ihnen unmittelbar nachzugeben, als regulativer Puffer gegen eigennütziges Verhalten wirkt. Darüber hinaus war Trait-Achtsamkeit ein signifikant positiver Prädiktor für relative Eigengruppenkooperation (definiert als Differenz zwischen Beiträgen zum Eigengruppenpool und zum privaten Pool) was darauf hindeutet, dass achtsamere Personen Ressourcen vom Eigeninteresse hin zur Eigengruppe verlagern. Dieser Effekt zeigte sich konsistent über politische Zugehörigkeiten hinweg, da eine Moderationsanalyse keine signifikante Interaktion zwischen Achtsamkeit und politischer Identität ergab. Entgegen den Vorhersagen der sozialen Identitätstheorie sagte die Gruppenidentifikation die parochiale Kooperation nicht signifikant voraus. Auch die politische Zugehörigkeit zeigte keinen signifikanten Einfluss auf relative Eigengruppenkooperation oder starken Parochialismus, was möglicherweise das Fehlen realer monetärer Anreize im hypothetischen Spieldesign widerspiegelt. Zusammenfassend legen die Befunde nahe, dass Achtsamkeit primär als hemmender Mechanismus gegenüber egoistischen Impulsen wirkt und nicht als einheitlicher Förderer prosozialen Verhaltens. In Intergruppenkontexten äußert sich dieser regulatorische Effekt in einer relativen Verschiebung vom Eigeninteresse hin zum Wohl der Eigengruppe, ohne sich auf universelle Kooperation auszudehnen. Diese Ergebnisse tragen zu einem differenzierteren Verständnis der Beziehung zwischen Achtsamkeit und prosozialem Verhalten bei und unterstreichen die Bedeutung differenzierter Verhaltensmaße in zukünftiger Forschung.

Authors

Publication Details

Journal
University of Vienna
Published
2026-07-01
DOI
https://doi.org/10.25365/thesis.81334
Primary Topic
Mindfulness and Compassion Interventions
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
0.00
Controls
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AUG
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Mindfulness: a double-edged sword for prosociality?

Katharina Luise Hebel
University of Vienna
Mindfulness and Compassion Interventions
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Mindfulness: a double-edged sword for prosociality?

Katharina Luise Hebel
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Abstract

Der Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und prosozialem Verhalten wurde in der Sozialpsychologie oft untersucht, die Befundlage bleibt jedoch widersprüchlich. Während metaanalytische Befunde auf einen positiven Zusammenhang hindeuten, berichten einige Studien Nullergebnisse oder sogar negative Effekte, insbesondere wenn prosoziales Verhalten durch objektive Verhaltensmaße statt durch Selbstberichte erfasst wird. Die vorliegende Studie adressiert diese methodische Lücke, indem sie untersucht, ob dispositionelle Trait-Achtsamkeit kooperatives Verhalten in einem komplexen Intergruppenkontext vorhersagt mit Hilfe der Verwendung des Intergroup Parochial and Universal Cooperation (IPUC) Games. Das IPUC-Game ermöglicht die Unterscheidung zwischen vier verschiedenen Verhaltensstrategien: schwacher parochiale Kooperation (Begünstigung der Eigengruppe), starker parochialer Kooperation (Begünstigung der Eigengruppe bei gleichzeitiger Schädigung der Fremdgruppe), universeller Kooperation (Begünstigung aller Spielenden) und Egoismus (Einbehalten der Ressourcen für sich selbst). Zur Messung der Trait-Achtsamkeit wurde der Five Facet Mindfulness Questionnaire (FFMQ) eingesetzt, der fünf Dimensionen erfasst: Beobachten, Beschreiben, Handeln mit Bewusstsein, Nicht-Urteilen und Nicht-Reagieren. Zusätzlich wurde die Identifikation der Teilnehmenden mit ihrer politischen Eigengruppe mit hilfe einer etablierten Gruppenidentitätsskala erhoben. Die Daten wurden über die Online-Rekrutierungsplattform Prolific gesammelt, mit einer Gesamtstichprobe von N = 232 US-amerikanischen Teilnehmenden, die sich als Demokraten oder Republikaner identifizierten, was die Bildung natürlicher Intergruppenkonstellationen ermöglichte. Die Hauptanalyse ergab, dass die allgemeine Trait-Achtsamkeit keine der drei kooperativen Pools signifikant vorhersagte. Diese Befunde deuten darauf hin, dass Achtsamkeit in Intergruppenkontexten nicht als direkter Treiber spezifischer prosozialer Verhaltensweisen fungiert. Achtsamkeit erwies sich jedoch als signifikant negativer Prädiktor für egoistisches Ressourcenbehalten (Pool 4; B = −1,44, p = ,002, adjustiertes R² = ,04), was darauf hindeutet, dass achtsamere Personen weniger dazu neigen, persönlichen monetären Gewinn zu priorisieren. Aufgrund der Nullsummenstruktur des IPUC-Games impliziert diese Reduktion des Egoismus eine Umverteilung von Ressourcen hin zu kollektiven Optionen, ohne dass ein einzelner prosozialer Pool signifikant davon profitierte. Explorative Analysen lieferten weitere Differenzierungen. Unter den fünf FFMQ-Facetten wurde Nicht-Reagieren als primärer Treiber des reduzierten Egoismus identifiziert (β = −,19, p = ,011), was darauf hindeutet, dass die Fähigkeit, innere Impulse wahrzunehmen, ohne ihnen unmittelbar nachzugeben, als regulativer Puffer gegen eigennütziges Verhalten wirkt. Darüber hinaus war Trait-Achtsamkeit ein signifikant positiver Prädiktor für relative Eigengruppenkooperation (definiert als Differenz zwischen Beiträgen zum Eigengruppenpool und zum privaten Pool) was darauf hindeutet, dass achtsamere Personen Ressourcen vom Eigeninteresse hin zur Eigengruppe verlagern. Dieser Effekt zeigte sich konsistent über politische Zugehörigkeiten hinweg, da eine Moderationsanalyse keine signifikante Interaktion zwischen Achtsamkeit und politischer Identität ergab. Entgegen den Vorhersagen der sozialen Identitätstheorie sagte die Gruppenidentifikation die parochiale Kooperation nicht signifikant voraus. Auch die politische Zugehörigkeit zeigte keinen signifikanten Einfluss auf relative Eigengruppenkooperation oder starken Parochialismus, was möglicherweise das Fehlen realer monetärer Anreize im hypothetischen Spieldesign widerspiegelt. Zusammenfassend legen die Befunde nahe, dass Achtsamkeit primär als hemmender Mechanismus gegenüber egoistischen Impulsen wirkt und nicht als einheitlicher Förderer prosozialen Verhaltens. In Intergruppenkontexten äußert sich dieser regulatorische Effekt in einer relativen Verschiebung vom Eigeninteresse hin zum Wohl der Eigengruppe, ohne sich auf universelle Kooperation auszudehnen. Diese Ergebnisse tragen zu einem differenzierteren Verständnis der Beziehung zwischen Achtsamkeit und prosozialem Verhalten bei und unterstreichen die Bedeutung differenzierter Verhaltensmaße in zukünftiger Forschung.

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