<i>Intimate Reading</i> . Zur Aktualität einer Lektürepraxis unter Bedingungen datenbasierter Sprachsysteme

Zusammenfassung Sich Texten intim anzunähern, bedeutet sich lesend unvoreingenommen und ungeschützt auf Begegnungen einzulassen mit abwesenden und anwesenden Anderen, und mit sich. Texte werden dabei nicht als Produkt von Berechnungen und Daten begriffen, sondern als Ausdruck von Welterfahrung und Weltwissen einer oder mehrerer Personen. Um Verstehen zu realisieren und daran möglichst Teilhabe zu erlangen, ist eine Lektürepraxis nötig, worin Elemente der Dekonstruktion (Abwesenheit der Autorschaft und Iteration) mit Elementen der Hermeneutik (Diktat und Vollzugssinn) verbunden werden. Autor:innen werden als abwesende vorgestellt, aber als konkrete Person(en) in Raum und Zeit vorausgesetzt. Die lesende Person wird ihrerseits zwar als sozial eingebettete begriffen, aber in der Lektürepraxis als je Besondere als für die Realisierung von Verstehen notwendige und mitverantwortliche verteidigt. Angesichts aktueller Herausforderungen durch datenbasierte Sprach‐Systeme und deren massive Auswirkungen auf Gerechtigkeitsverständnis, Wahrheitssuche und demokratische Grundrechtforderung kommt der Praxis intimer Lektüre und ihrer Pflege neue und grundlegende Bedeutung zu.

Authors

Institutions

Publication Details

Journal
Orbis Litterarum
Published
2026-06-18
DOI
https://doi.org/10.1111/oli.70059
Primary Topic
Linguistic research and analysis
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
0.00
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Intimate Reading . Zur Aktualität einer Lektürepraxis unter Bedingungen datenbasierter Sprachsysteme

Christine Abbt
Orbis Litterarum
Linguistic research and analysis
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Intimate Reading . Zur Aktualität einer Lektürepraxis unter Bedingungen datenbasierter Sprachsysteme

Christine Abbt
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Abstract

Zusammenfassung Sich Texten intim anzunähern, bedeutet sich lesend unvoreingenommen und ungeschützt auf Begegnungen einzulassen mit abwesenden und anwesenden Anderen, und mit sich. Texte werden dabei nicht als Produkt von Berechnungen und Daten begriffen, sondern als Ausdruck von Welterfahrung und Weltwissen einer oder mehrerer Personen. Um Verstehen zu realisieren und daran möglichst Teilhabe zu erlangen, ist eine Lektürepraxis nötig, worin Elemente der Dekonstruktion (Abwesenheit der Autorschaft und Iteration) mit Elementen der Hermeneutik (Diktat und Vollzugssinn) verbunden werden. Autor:innen werden als abwesende vorgestellt, aber als konkrete Person(en) in Raum und Zeit vorausgesetzt. Die lesende Person wird ihrerseits zwar als sozial eingebettete begriffen, aber in der Lektürepraxis als je Besondere als für die Realisierung von Verstehen notwendige und mitverantwortliche verteidigt. Angesichts aktueller Herausforderungen durch datenbasierte Sprach‐Systeme und deren massive Auswirkungen auf Gerechtigkeitsverständnis, Wahrheitssuche und demokratische Grundrechtforderung kommt der Praxis intimer Lektüre und ihrer Pflege neue und grundlegende Bedeutung zu.

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