Normalität unter außergewöhnlichen Bedingungen: Perspektiven junger Inhaftierter
Zusammenfassung Der Beitrag widmet sich der Frage, wie junge Inhaftierte Normalität in ihren Erzählungen hervorbringen und welche Funktionen diese Bezugnahmen für sie erfüllen. Auf der Grundlage narrativer Interviews wird gezeigt, dass Normalität für die Jugendlichen eine zentrale Ressource darstellt, um Erfahrungen zu deuten und zu kommunizieren, Selbstbilder zu stabilisieren und institutionelle Praktiken zu kommentieren. Normalität wird dabei in doppelter Weise verhandelt: als positiver Horizont, der innerhalb der Haft (z. B. durch Routinen oder Ausbildung) eingefordert oder für die Zeit nach der Entlassung imaginiert wird, sowie als Gegenhorizont, der den Verlust alltäglicher Routinen, jugendtypischer Erfahrungen und sozialer Beziehungen sichtbar macht. In beiden Modi dient Normalität als Maßstab, an dem sich die Jugendlichen orientieren und mit dem sie die Bedingungen ihrer Inhaftierung – oftmals kritisch – aushandeln. Der Beitrag argumentiert, dass Normalität im Strafvollzug nicht nur institutionell intendiert oder eingeschränkt, sondern wesentlich von den Gefangenen selbst diskursiv hergestellt wird. Dadurch wird Normalität im Jugendstrafvollzug als ambivalentes, situativ verhandeltes Verhältnis sichtbar – zwischen Disziplinierung, Resozialisierungsprogrammen und den subjektiven Deutungen der Inhaftierten.
Authors
- Maruta Herding (ORCID: https://orcid.org/0009-0005-5111-1741)
- Maria Jakob
- Anja Frank
- Daniel Diegmann
Institutions
- Deutsches Jugendinstitut (DE)
- Martin Luther University Halle-Wittenberg (DE)
Publication Details
- Journal
- Zeitschrift für Rechtssoziologie
- Published
- 2026-05-18
- DOI
- https://doi.org/10.1515/zfrs-2026-3003
- Primary Topic
- Criminal Law and Policy
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
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