Europa dezentrieren

Zusammenfassung Globalreligionsgeschichtliche Ansätze (GRG) haben wichtige Impulse zur Dezentrierung von Geschichtsschreibungen, die europäische Hegemonie naturalisieren, gesetzt. Schlüsselkonzepte wie Verflechtungen, Relationalität und Situiertheit bleiben jedoch theoretisch unterbestimmt. Im Umgang mit Sprache und Signifikanten übersehen GRG-Arbeiten häufig, dass Signifikanten untrennbar mit Materialität, Körpern und Praktiken verwoben sind, wodurch wichtige Machtdynamiken verdeckt bleiben. Aufbauend auf Karen Barads ethico-onto-epistemologischen Konzepten der Diffraktion und des agentiellen Schnitts, die Bedeutung und Materie als ko-konstitutiv fassen, schlage ich vor, Signifikanten als materiell-diskursive Markierungen zu konzeptualisieren – als Praktiken, die in spezifischen Konfigurationen Grenzen und Relationen vollziehen und so Wirklichkeit mitvollziehen. Dies impliziert, Signifikanten als materiell-diskursive Praktiken zu analysieren – nicht nur als Ergebnisse, sondern eben als Vollzüge – sowohl im Forschungsgegenstand als auch im Forschungsprozess unter konsequenter Berücksichtigung der eigenen Situiertheit sowie der Ausschlüsse, die sie mitvollziehen. Dies soll an einer Fallstudie zu muslimischen Intellektuellendebatten in Süd- und Südostasien der 1930/40er-Jahre erprobt werden, in denen über Religion, Islam und Mystik gestritten wurde. Abschließend plädiert der Beitrag für eine reflexive und selbstkritische Historiografie, die für ihre vollzogenen Schnitte und Ausschlüsse ebenso Verantwortung übernimmt wie für die Potenziale von Inklusion und Wandel.

Authors

Institutions

Publication Details

Journal
Zeitschrift für Religionswissenschaft
Published
2026-05-12
DOI
https://doi.org/10.1515/zfr-2025-0038
Primary Topic
Religion, Theology, and Education
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
0.00
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Europa dezentrieren

Giovanni Maltese
Zeitschrift für Religionswissenschaft
Religion, Theology, and Education
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Giovanni Maltese
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Abstract

Zusammenfassung Globalreligionsgeschichtliche Ansätze (GRG) haben wichtige Impulse zur Dezentrierung von Geschichtsschreibungen, die europäische Hegemonie naturalisieren, gesetzt. Schlüsselkonzepte wie Verflechtungen, Relationalität und Situiertheit bleiben jedoch theoretisch unterbestimmt. Im Umgang mit Sprache und Signifikanten übersehen GRG-Arbeiten häufig, dass Signifikanten untrennbar mit Materialität, Körpern und Praktiken verwoben sind, wodurch wichtige Machtdynamiken verdeckt bleiben. Aufbauend auf Karen Barads ethico-onto-epistemologischen Konzepten der Diffraktion und des agentiellen Schnitts, die Bedeutung und Materie als ko-konstitutiv fassen, schlage ich vor, Signifikanten als materiell-diskursive Markierungen zu konzeptualisieren – als Praktiken, die in spezifischen Konfigurationen Grenzen und Relationen vollziehen und so Wirklichkeit mitvollziehen. Dies impliziert, Signifikanten als materiell-diskursive Praktiken zu analysieren – nicht nur als Ergebnisse, sondern eben als Vollzüge – sowohl im Forschungsgegenstand als auch im Forschungsprozess unter konsequenter Berücksichtigung der eigenen Situiertheit sowie der Ausschlüsse, die sie mitvollziehen. Dies soll an einer Fallstudie zu muslimischen Intellektuellendebatten in Süd- und Südostasien der 1930/40er-Jahre erprobt werden, in denen über Religion, Islam und Mystik gestritten wurde. Abschließend plädiert der Beitrag für eine reflexive und selbstkritische Historiografie, die für ihre vollzogenen Schnitte und Ausschlüsse ebenso Verantwortung übernimmt wie für die Potenziale von Inklusion und Wandel.

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