Alphamobilität. Oder: „Sozial-räumliche Autonomie“ als Kategorie einer Ungleichheitsgeschichte von oben
Zusammenfassung Dass die Möglichkeit, Grenzen zu überschreiten und das eigene (ökonomische, soziale und kulturelle) Kapital ortsflexibel zu nutzen, in der globalisierten Welt eine „Schlüsselvariable sozialer Ungleichheit“ darstellt, ist eine gängige Beobachtung. Doch haben bis dato weder die Mobilitäts- und Migrationsgeschichte noch die Reichtums- und Sozialgeschichte der Frage viel Aufmerksamkeit geschenkt, was Mobilitätsprivilegien jeweils ausmachte und wie sie sich zu sozioökonomischen Privilegien verhielten. Der vorliegende Aufsatz geht dieser Frage nach. Er plädiert dafür, das Konzept der „sozial-räumlichen Autonomie“ für die historische Analyse räumlicher Mobilitätschancen nutzbar zu machen. Unter Rückgriff auf Ansätze aus der globalen Mikrogeschichte geht die Analyse dafür von den Mobilitätsroutinen des belgischen Finanziers und Vielfliegers Alfred Loewenstein aus, der in den 1920er Jahren zu den reichsten Menschen der Welt zählte. Anhand der verdichteten Presseberichterstattung über das Verschwinden Loewensteins 1928 diskutiert der Beitrag die Bedingungen und Effekte von dessen Aeromobilität und befasst sich damit, wie diese räumliche Mobilität mit spezifischen Vermögensstrategien und Steuerpraktiken einherging. Abschließend kommt die Analyse auf die Möglichkeiten einer Sozialgeschichte zurück, die in Bewegung gerät und die Frage nach sozial-räumlichen Autonomien in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen rückt.
Authors
- Christiane Reinecke (ORCID: https://orcid.org/0000-0003-2648-3517)
Institutions
- Europa-Universität Flensburg (DE)
Publication Details
- Journal
- Historische Zeitschrift
- Published
- 2026-04-01
- DOI
- https://doi.org/10.1515/hzhz-2026-0008
- Primary Topic
- History, Culture, and Diplomacy
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
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