Cycling practices and urban infrastructure in Vienna

Diese Arbeit untersucht den Alltagsradverkehr in Wien als eine verkörperte, sozial ausgehandelte und institutionell geprägte Form urbaner Mobilität. Aufbauend auf Ansätzen der Infrastrukturanthropologie und dem New-Mobilities-Paradigma versteht sie Radfahren als „Zeit mit Absicht“ und fragt danach, wie Radverkehr durch infrastrukturelles Design geprägt wird und wie Radfahrende die zugrunde liegenden Dynamiken in der Bewegung erleben. Methodisch stützt sich die Studie auf qualitative Verfahren, darunter teilnehmende Beobachtung, leitfadengestützte Interviews mit Radfahrenden, Expert*inneninterviews sowie die Analyse zentraler Strategie- und Planungsdokumente. Die Ergebnisse zeigen, dass Radfahrende Infrastruktur über affektive und kognitive Dimensionen wahrnehmen: Erleichterung und Zuversicht auf kohärenten, gut lesbaren und geschützten Routen sowie Stress, Überforderung und Unsicherheit dort, wo Infrastruktur schmal, uneindeutig, unterbrochen oder autozentriert ist. Diese Erfahrungen tragen zu Wahrnehmungen des Radfahrens als umkämpftes urbanes Leben bei, das von Aushandlungen um Sichtbarkeit und Anerkennung strukturiert ist, zugleich aber auch Freude und eine höhere Lebensqualität ermöglichen kann. Darüber hinaus zeigt die Arbeit, wie Planungskoordination, Bezirkspolitik und begrenzte Partizipation anhaltende Lücken zwischen politischen Narrativen und straßenräumlichen Realitäten erklären. Theoretisch leistet die Arbeit einen Beitrag zu Debatten in den Infrastruktur- und Mobilitätsstudien, indem sie Radinfrastruktur als eine affektive und politische Umwelt konzeptualisiert, die aus verkörperter Erfahrung hervorgeht. Durch die Einbeziehung interdisziplinärer Radverkehrsforschung und deren Verbindung mit anthropologischen Perspektiven auf Infrastruktur adressiert die Arbeit einen bislang vergleichsweise untertheoretisierten Bereich und erweitert anthropologische Debatten über sozio-materielle urbane Umwelten.

Authors

Publication Details

Journal
University of Vienna
Published
2026-01-01
DOI
https://doi.org/10.25365/thesis.80745
Primary Topic
Urban Transport and Accessibility
Type
article
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Cycling practices and urban infrastructure in Vienna

Alena Shishkina
University of Vienna
Urban Transport and Accessibility
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Cycling practices and urban infrastructure in Vienna

Alena Shishkina
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Abstract

Diese Arbeit untersucht den Alltagsradverkehr in Wien als eine verkörperte, sozial ausgehandelte und institutionell geprägte Form urbaner Mobilität. Aufbauend auf Ansätzen der Infrastrukturanthropologie und dem New-Mobilities-Paradigma versteht sie Radfahren als „Zeit mit Absicht“ und fragt danach, wie Radverkehr durch infrastrukturelles Design geprägt wird und wie Radfahrende die zugrunde liegenden Dynamiken in der Bewegung erleben. Methodisch stützt sich die Studie auf qualitative Verfahren, darunter teilnehmende Beobachtung, leitfadengestützte Interviews mit Radfahrenden, Expert*inneninterviews sowie die Analyse zentraler Strategie- und Planungsdokumente. Die Ergebnisse zeigen, dass Radfahrende Infrastruktur über affektive und kognitive Dimensionen wahrnehmen: Erleichterung und Zuversicht auf kohärenten, gut lesbaren und geschützten Routen sowie Stress, Überforderung und Unsicherheit dort, wo Infrastruktur schmal, uneindeutig, unterbrochen oder autozentriert ist. Diese Erfahrungen tragen zu Wahrnehmungen des Radfahrens als umkämpftes urbanes Leben bei, das von Aushandlungen um Sichtbarkeit und Anerkennung strukturiert ist, zugleich aber auch Freude und eine höhere Lebensqualität ermöglichen kann. Darüber hinaus zeigt die Arbeit, wie Planungskoordination, Bezirkspolitik und begrenzte Partizipation anhaltende Lücken zwischen politischen Narrativen und straßenräumlichen Realitäten erklären. Theoretisch leistet die Arbeit einen Beitrag zu Debatten in den Infrastruktur- und Mobilitätsstudien, indem sie Radinfrastruktur als eine affektive und politische Umwelt konzeptualisiert, die aus verkörperter Erfahrung hervorgeht. Durch die Einbeziehung interdisziplinärer Radverkehrsforschung und deren Verbindung mit anthropologischen Perspektiven auf Infrastruktur adressiert die Arbeit einen bislang vergleichsweise untertheoretisierten Bereich und erweitert anthropologische Debatten über sozio-materielle urbane Umwelten.

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