Teacher grades for university entrance qualification
Die vorliegende Dissertation untersucht die Notengebung bei der österreichischen Matura. Lehrer*innen kommt hier eine tragende Rolle im zu, da sie selbst über die Hochschulreife ihrer Schüler*innen entscheiden. Die Dissertation zeichnet drei zentrale Entwicklungsschritte des Bewertungssystems der Matura der letzten 10 Jahre nach, die jeweils in einer eigenen Studie behandelt werden. Die erste Studie analysierte die Einführung standardisierter Maturaprüfungen im Jahr 2015 an allgemeinbildenden Schulen. Längsschnittlich zeigte sich eine sehr hohe Übereinstimmung zwischen nicht-standardisierten Jahres- und standardisierten Maturanoten sowie systematische Benotungsunterschiede zwischen Schultypen – zwei Ergebnisse, die den Mehrwert des kostenintensiven standardisierten Systems infrage stellen. Die zweite Studie beleuchtete die Umsetzung derselben Reform im Jahr 2016 an berufsbildenden Schulen. Unbeabsichtigt deckte diese Studie einen durch den Schultyp moderierten Selbstselektionsbias auf, was nicht nur die Bedeutung des Schultyps als kontextuellen Einflussfaktor auf die Notengebung unterstreicht, sondern auch dessen Relevanz für das Antwortverhalten von Lehrer*innen und zugleich die Sensibilität des Themas Leistungsbeurteilung als Gegenstand bildungswissenschaftlicher Forschung. Die dritte Studie befasste sich mit der Notenreform 2020, die die Kompensation negativer Maturaprüfungen durch das Einfließen positiver Jahresnoten ermöglichte. Eine längsschnittliche Mixed-Methods-Analyse ergab signifikant bessere Jahresnoten seit 2020 und machte deutlich, dass das Notengebungsverhalten von Lehrer*innnen seither von systemischen Kräften, strategischen Notenentscheidungen und inneren Konflikten zwischen Empathie und Fairness geprägt ist. Laut Lehrer*inneninterviews habe die Reform zudem den standardisierten Charakter der Matura weitgehend untergraben. Die Dissertation stellt insbesondere den sozial und institutionell geprägten Charakter der Notengebung in den Fokus. Ursprünglich von der unbewussten Annahme geleitet, dass vergleichbare Ergebnisse das goldene Ziel von Hochschulreifeprüfungen seien, kommt die Dissertation zum Schluss, dass dieser Wunsch in Kontrast mit der inhärenten Heterogenität des österreichischen Oberstufensystems steht und lädt zu einem Umdenken hinsichtlich der Notwendigkeit von Standardisierung und vergleichbarer Bildungsabschlüsse ein.
Authors
- Vincent Stephan Schatz
Publication Details
- Journal
- University of Vienna
- Published
- 2026-01-01
- DOI
- https://doi.org/10.25365/thesis.80735
- Primary Topic
- Education Methods and Technologies
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
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