"Nantoka naru" (it will work out)
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wie Furīsupēsu Blossom, ein japanischer alternativer Bildungsraum für Kinder, die futōkō (schulische Nichteilnahme) erfahren, zu einem ibasho wird: nicht nur zu einem Ort des Wohlbefindens, sondern auch zu einem beziehungsgeprägten Umfeld, in dem die Anerkennung und Bestätigung der eigenen Existenz Resilienz und Selbstvertrauen fördert sowie die Voraussetzungen dafür schafft, Zukunftsperspektiven zu erwägen. Auf Basis einer dreimonatigen ethnografischen Feldforschung wird beleuchtet, wie ibasho durch alltägliche Praktiken innerhalb von Blossom Gestalt annimmt. Eingebettet in Japans Bildungslandschaft, die durch steigende futōkō-Raten und kulturelle Erwartungen an die schulische Bildung gekennzeichnet ist, setzt sich diese Abhandlung mit anthropologischen, kritisch‑pädagogischen und care‑ethischen Perspektiven auseinander. Anstatt Blossom als vorgefertigte Alternative zu betrachten, die lediglich Unterstützung bereitstellt, richtet sich der Blick darauf, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam ein Gefühl von Sicherheit, Autonomie und Anerkennung schaffen. In diesem Kontext erscheint Autonomie nicht als uneingeschränkte Freiheit, sondern als relational gelebte Praxis, die kontinuierlich mit anderen ausgehandelt wird. Die Narrative der Kinder und Jugendlichen verdeutlichen, wie sich durch frühere Schul- und futōkō-Erfahrungen entstandene Stigmata und internalisierte Defizitvorstellungen schrittweise wandeln, wenn sie auf Formen der Fürsorge und Anerkennung in Blossom treffen, wodurch sie Selbstvertrauen zurückgewinnen und sich neue Möglichkeiten vorstellen. Diese Untersuchung verfolgt, wie Teilnehmende, die zunächst auf Unterstützung angewiesen waren, allmählich Fürsorgerollen für jüngere Kinder übernehmen und so zu einem Kreislauf peer-gestützter Transformation beitragen. Weiters zeigt sie, wie Lernen und Entwicklung bei Blossom durch Alltag, Relationalität und gemeinsam gestaltete Praktiken entstehen, bietet Einblicke in die kollaborative Entstehung von ibasho sowie in übergreifende anthropologische Fragestellungen zu Bildung, Kindheit und place-making und stellt damit schulzentrierte Annahmen infrage, die Lernen in solchen Räumen als „bloßes Spielen“ abtun.
Authors
- Koichi Asaka
Publication Details
- Journal
- University of Vienna
- Published
- 2026-01-01
- DOI
- https://doi.org/10.25365/thesis.80731
- Primary Topic
- Japanese History and Culture
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
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