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Obwohl Winston Churchill ein außergewöhnlich produktiver Autor und Literaturnobelpreisträger war, ist er heutzutage kaum für seine literarischen Leistungen bekannt, und nur wenige Wissenschaftler*innen haben sich eingehend mit seinen Schriften befasst. Dabei wurde Churchills fortdauerndes öffentliches Image nicht zuletzt durch sein eigenes literarisches Schaffen und die kontinuierliche Wiederverwendung seiner Texte in verschiedenen Genres geprägt. Diese Arbeit untersucht Churchills Memoiren "My Early Life: A Roving Commission" (1930) in auto-intertextueller Beziehung zu seinen frühesten Schriften als Kriegskorrespondent von 1895 bis 1900. Auf der Grundlage von Intertextualitäts- und Genretheorie und Life Writing Studies untersuche ich, wie Churchills Kriegsjournalismus seine Memoiren und die darin konstruierte Persona prägt. Durch Close Reading und vergleichende Analyse zeige ich, dass "My Early Life" Churchills Kriegsberichterstattung nicht nur zitiert, sondern strukturell und rhetorisch davon abhängig ist. Churchills Memoiren übernehmen die zeitliche Unmittelbarkeit, die serialisierte Form und die Rhetorik der viktorianischen Kriegsberichterstattung sowie deren Zensurbeschränkungen, um eine nostalgische Erzählung von imperialen Abenteuern und Heldentum zu schaffen. Diese gattungsspezifischen Anleihen stehen in einem Spannungsverhältnis zum Genre der Memoiren, welches Retrospektion und authentische Selbstoffenbarung verspricht. Anstatt den Text zu untergraben, ermöglichen diese Reibungen es Churchill jedoch, flüchtige Reportagen in ein dauerhaftes Selbstporträt zu verwandeln und imperiale Narrative als persönliche Erinnerung zu naturalisieren. Durch die Verschmelzung der Rollen des Korrespondenten, Politikers und Memoirenschreibers konstruiert Churchill eine hybride Persona, die viktorianische Ideale imperialer Heldenhaftigkeit verkörpert. Letztlich argumentiere ich, dass diese Selbstdarstellung im heutigen mythologisierten Bild Churchills als britischer Nationalheld fortwirkt.

Authors

Publication Details

Journal
University of Vienna
Published
2026-01-01
DOI
https://doi.org/10.25365/thesis.80697
Primary Topic
History, Medicine, and Leadership
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
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Lisa Rommel
University of Vienna
History, Medicine, and Leadership
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Lisa Rommel
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Abstract

Obwohl Winston Churchill ein außergewöhnlich produktiver Autor und Literaturnobelpreisträger war, ist er heutzutage kaum für seine literarischen Leistungen bekannt, und nur wenige Wissenschaftler*innen haben sich eingehend mit seinen Schriften befasst. Dabei wurde Churchills fortdauerndes öffentliches Image nicht zuletzt durch sein eigenes literarisches Schaffen und die kontinuierliche Wiederverwendung seiner Texte in verschiedenen Genres geprägt. Diese Arbeit untersucht Churchills Memoiren "My Early Life: A Roving Commission" (1930) in auto-intertextueller Beziehung zu seinen frühesten Schriften als Kriegskorrespondent von 1895 bis 1900. Auf der Grundlage von Intertextualitäts- und Genretheorie und Life Writing Studies untersuche ich, wie Churchills Kriegsjournalismus seine Memoiren und die darin konstruierte Persona prägt. Durch Close Reading und vergleichende Analyse zeige ich, dass "My Early Life" Churchills Kriegsberichterstattung nicht nur zitiert, sondern strukturell und rhetorisch davon abhängig ist. Churchills Memoiren übernehmen die zeitliche Unmittelbarkeit, die serialisierte Form und die Rhetorik der viktorianischen Kriegsberichterstattung sowie deren Zensurbeschränkungen, um eine nostalgische Erzählung von imperialen Abenteuern und Heldentum zu schaffen. Diese gattungsspezifischen Anleihen stehen in einem Spannungsverhältnis zum Genre der Memoiren, welches Retrospektion und authentische Selbstoffenbarung verspricht. Anstatt den Text zu untergraben, ermöglichen diese Reibungen es Churchill jedoch, flüchtige Reportagen in ein dauerhaftes Selbstporträt zu verwandeln und imperiale Narrative als persönliche Erinnerung zu naturalisieren. Durch die Verschmelzung der Rollen des Korrespondenten, Politikers und Memoirenschreibers konstruiert Churchill eine hybride Persona, die viktorianische Ideale imperialer Heldenhaftigkeit verkörpert. Letztlich argumentiere ich, dass diese Selbstdarstellung im heutigen mythologisierten Bild Churchills als britischer Nationalheld fortwirkt.

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