„DER MÖRDER ABER LEBTE UNTER UNS, NICHT WENIGER ALS BEREIT, SICH ERGREIFEN ZU LASSEN“. HANS LEBERTS ROMAN „DIE WOLFSHAUT“

<p>Der vorliegende Beitrag bietet einen analytischen Überblick über Hans Leberts Anti-Heimatroman „Die Wolfshaut“ und legt im Rahmen der thematischen Analyse dar, wie Hans Lebert die abstrakten Konzepte der Kollektivschuld, individuellen Mitschuld und der verdrängten nationalsozialistischen Vergangenheit in der fiktiven Dorfgemeinschaft in Schweigen durch sensorische Sprache konkretisiert. Der Beitrag beleuchtet den Begriff der Kollektivschuld und der individuellen Mitschuld anhand einer theoretischen Grundlage, welche auch die Unterscheidung der Schuldbegriffe ermöglicht und damit die analytische Basis für die Betrachtung der Dorfgemeinschaft in Schweigen bildet. Es handelt sich um einen Roman, der 1960 zum ersten Mal nicht in Österreich, sondern im Hamburger Claassen-Verlag erschien und für den Lebert 1962 mit dem Österreichischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Die Handlung des Romans spielt vom November 1952 bis zum Februar 1953 im fiktiven Dorf Schweigen. Ein 46-jähriger Matrose, Johann Unfreund, kehrt nach langer Abwesenheit in dieses Dorf zurück, weil sein Vater Suizid begangen hat und er sich der Tatsache bewusst ist, dass es jetzt nichts mehr so sein wird, wie es vor dem Krieg war. Ihm begegnet eine Dorfgemeinschaft, die genauso wie er, den Krieg und seine verschiedenen Folgen überstanden zu haben glaubte. Da trifft er auf den Fotografen Maletta, in dem er sein negatives Alter Ego erkennt und der auch ein Außenseiter im Dorf ist. Kurz nach dem Eintreffen Unfreunds ereignen sich mysteriöse Todesfälle, die die Aufmerksamkeit des Außenseiters Unfreund auf sich ziehen. Der verdächtige Ziegelofen, der sich südlich vom Schweigen befindet, wird im Anschluss daran für den Matrosen nicht nur zum Ausgangspunkt für die Aufklärung der Kriegsverbrechen, sondern auch zum Aufbewahrungsort der Kollektivschuld.</p>

Authors

Publication Details

Journal
SPOZNAJA
Published
2025-12-31
DOI
https://doi.org/10.65368/spoznaja202501060
Primary Topic
German Colonialism and Identity Studies
Type
article
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„DER MÖRDER ABER LEBTE UNTER UNS, NICHT WENIGER ALS BEREIT, SICH ERGREIFEN ZU LASSEN“. HANS LEBERTS ROMAN „DIE WOLFSHAUT“

Amira Avdić
SPOZNAJA
German Colonialism and Identity Studies
article

„DER MÖRDER ABER LEBTE UNTER UNS, NICHT WENIGER ALS BEREIT, SICH ERGREIFEN ZU LASSEN“. HANS LEBERTS ROMAN „DIE WOLFSHAUT“

Amira Avdić
article en

Abstract

<p>Der vorliegende Beitrag bietet einen analytischen Überblick über Hans Leberts Anti-Heimatroman „Die Wolfshaut“ und legt im Rahmen der thematischen Analyse dar, wie Hans Lebert die abstrakten Konzepte der Kollektivschuld, individuellen Mitschuld und der verdrängten nationalsozialistischen Vergangenheit in der fiktiven Dorfgemeinschaft in Schweigen durch sensorische Sprache konkretisiert. Der Beitrag beleuchtet den Begriff der Kollektivschuld und der individuellen Mitschuld anhand einer theoretischen Grundlage, welche auch die Unterscheidung der Schuldbegriffe ermöglicht und damit die analytische Basis für die Betrachtung der Dorfgemeinschaft in Schweigen bildet. Es handelt sich um einen Roman, der 1960 zum ersten Mal nicht in Österreich, sondern im Hamburger Claassen-Verlag erschien und für den Lebert 1962 mit dem Österreichischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Die Handlung des Romans spielt vom November 1952 bis zum Februar 1953 im fiktiven Dorf Schweigen. Ein 46-jähriger Matrose, Johann Unfreund, kehrt nach langer Abwesenheit in dieses Dorf zurück, weil sein Vater Suizid begangen hat und er sich der Tatsache bewusst ist, dass es jetzt nichts mehr so sein wird, wie es vor dem Krieg war. Ihm begegnet eine Dorfgemeinschaft, die genauso wie er, den Krieg und seine verschiedenen Folgen überstanden zu haben glaubte. Da trifft er auf den Fotografen Maletta, in dem er sein negatives Alter Ego erkennt und der auch ein Außenseiter im Dorf ist. Kurz nach dem Eintreffen Unfreunds ereignen sich mysteriöse Todesfälle, die die Aufmerksamkeit des Außenseiters Unfreund auf sich ziehen. Der verdächtige Ziegelofen, der sich südlich vom Schweigen befindet, wird im Anschluss daran für den Matrosen nicht nur zum Ausgangspunkt für die Aufklärung der Kriegsverbrechen, sondern auch zum Aufbewahrungsort der Kollektivschuld.</p>

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