Digitale Rekonstruktion ornamentierter Gussstützen

Abstrakt Ornamentierte Gussstützen prägen das Erscheinungsbild vieler Industrie‐ und Repräsentationsbauten aus der Zeit um 1900. Der Erhalt und, falls erforderlich, die originalgetreue Wiederherstellung solcher Bauteile stellen ein bedeutendes Aufgabenfeld des Bauingenieurwesens dar und sind auch aus wirtschaftlicher Sicht relevant. Für den rechnerischen Nachweis historischer Gussstützen existieren zwar keine eindeutigen normativen Vorgaben, für die Praxis stehen jedoch mehrere anerkannte Nachweiskonzepte zur Ermittlung der Tragfähigkeit zur Verfügung. In zahlreichen Sanierungsfällen, insbesondere bei bewitterten Konstruktionen wie Bahnsteigdächern, weisen einzelne Stützen jedoch so gravierende Schädigungen auf, dass eine Instandsetzung nicht mehr möglich ist. Soll das architektonische Gesamtbild dennoch erhalten bleiben, wird eine Reproduktion notwendig. Ihre komplexe Geometrie stellt hohe Anforderungen an die digitale Aufnahme und an die anschließende Modellierung. Im Rahmen eines Sanierungsprojekts wurde eine besonders gut erhaltene Stütze einer Bahnsteigüberdachung vollständig digital erfasst, modelliert und als Grundlage für die Fertigung von Repliken genutzt. Die Erfassung erfolgte mittels terrestrischem Laserscanning (TLS) sowie ergänzender Fotodokumentation. Die anschließende Modellierung wurde in Autodesk Fusion360 realisiert und kombinierte parametrische Geometrien mit organisch geformten Freiformflächen. Das CAD‐Modell wurde segmentiert, um eine strukturierte Bearbeitung zu ermöglichen. Während regelhafte Elemente effizient parametrisch modelliert werden konnten, erwiesen sich florale Ornamente als besonders aufwendig. Der Beitrag zeigt die praktischen und softwarebedingten Grenzen solcher Modellierungen auf und diskutiert alternative Strategien zur Detailerfassung – etwa durch Streifenlichtscanner oder Sculpting‐Software. Die vorgestellte Methode bietet einen praxistauglichen Workflow zur digitalen Rekonstruktion ornamentierter Gusselemente und leistet einen Beitrag zur denkmalgerechten Reproduktion historischer Bauteile.

Authors

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Publication Details

Journal
Stahlbau
Published
2026-02-24
DOI
https://doi.org/10.1002/stab.70105
Primary Topic
Civil and Structural Engineering Research
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
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Digitale Rekonstruktion ornamentierter Gussstützen

Julian Pimpi, Max Spannaus, Andreas Wehner
Stahlbau
Civil and Structural Engineering Research
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Digitale Rekonstruktion ornamentierter Gussstützen

Julian Pimpi, Max Spannaus, Andreas Wehner
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Abstract

Abstrakt Ornamentierte Gussstützen prägen das Erscheinungsbild vieler Industrie‐ und Repräsentationsbauten aus der Zeit um 1900. Der Erhalt und, falls erforderlich, die originalgetreue Wiederherstellung solcher Bauteile stellen ein bedeutendes Aufgabenfeld des Bauingenieurwesens dar und sind auch aus wirtschaftlicher Sicht relevant. Für den rechnerischen Nachweis historischer Gussstützen existieren zwar keine eindeutigen normativen Vorgaben, für die Praxis stehen jedoch mehrere anerkannte Nachweiskonzepte zur Ermittlung der Tragfähigkeit zur Verfügung. In zahlreichen Sanierungsfällen, insbesondere bei bewitterten Konstruktionen wie Bahnsteigdächern, weisen einzelne Stützen jedoch so gravierende Schädigungen auf, dass eine Instandsetzung nicht mehr möglich ist. Soll das architektonische Gesamtbild dennoch erhalten bleiben, wird eine Reproduktion notwendig. Ihre komplexe Geometrie stellt hohe Anforderungen an die digitale Aufnahme und an die anschließende Modellierung. Im Rahmen eines Sanierungsprojekts wurde eine besonders gut erhaltene Stütze einer Bahnsteigüberdachung vollständig digital erfasst, modelliert und als Grundlage für die Fertigung von Repliken genutzt. Die Erfassung erfolgte mittels terrestrischem Laserscanning (TLS) sowie ergänzender Fotodokumentation. Die anschließende Modellierung wurde in Autodesk Fusion360 realisiert und kombinierte parametrische Geometrien mit organisch geformten Freiformflächen. Das CAD‐Modell wurde segmentiert, um eine strukturierte Bearbeitung zu ermöglichen. Während regelhafte Elemente effizient parametrisch modelliert werden konnten, erwiesen sich florale Ornamente als besonders aufwendig. Der Beitrag zeigt die praktischen und softwarebedingten Grenzen solcher Modellierungen auf und diskutiert alternative Strategien zur Detailerfassung – etwa durch Streifenlichtscanner oder Sculpting‐Software. Die vorgestellte Methode bietet einen praxistauglichen Workflow zur digitalen Rekonstruktion ornamentierter Gusselemente und leistet einen Beitrag zur denkmalgerechten Reproduktion historischer Bauteile.

StahlbauVol. 95(3)
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