Fragmentiert, aber widerstandsfähig: Die belarussische Zivilgesellschaft im Exil in Litauen und Polen

Zusammenfassung Dieser Artikel untersucht die sich wandelnde Dynamik der belarussischen Zivilgesellschaft im Exil, mit Fokus auf Communities in Litauen und Polen nach den Massenprotesten von 2020 und der darauffolgenden autoritären Repressionswelle. Auf Grundlage qualitativer Daten aus Fokusgruppendiskussionen, die 2025 in Vilnius und Warschau durchgeführt wurden, wird untersucht, wie belarussische Exilant*innen bürgerschaftliches Engagement, politische Identität und Solidarität unter Bedingungen von Repression, erzwungener Migration und geopolitischer Instabilität aushandeln. Die Ergebnisse zeigen ein paradoxes Feld, das sowohl von Resilienz als auch von Fragmentierung geprägt ist. Einerseits bieten Basisinitiativen, Solidaritätsnetzwerke und communitybasierte Organisationen wichtige Infrastruktur für Unterstützung und Widerstand und halten demokratische Werte abseits formaler Koordination aufrecht. Andererseits wird ihr Zusammenhalt durch weit verbreitetes Misstrauen gegenüber ebenfalls exilierten oppositionellen Eliten, emotionale Erschöpfung und Marginalisierung in den Aufnahmegesellschaften untergraben und so die kollektive Mobilisierung geschwächt. Der Krieg in der Ukraine hat die Situation der Diaspora weiter verändert und sowohl Solidarität mit den Kämpfen der Ukrainer*innen als auch Angst vor Stigmatisierung aufgrund der Komplizenschaft des belarussischen Regimes bei der Invasion verstärkt. Indem die gelebten Erfahrungen unterschiedlicher Exilant*innen – darunter Aktivist*innen, Veteran*innen, marginalisierte Communities und gewöhnliche Migrant*innen – in den Vordergrund gestellt werden, leistet diese Studie einen Beitrag zur Forschung über transnationale Protestbewegungen, post-autoritäre Zivilgesellschaften und Diaspora-Politik und hebt dabei sowohl das emanzipatorische Potenzial als auch die affektiven Grenzen des Aktivismus im Exil hervor.

Authors

Institutions

Publication Details

Journal
Forschungsjournal Soziale Bewegungen
Published
2026-03-04
DOI
https://doi.org/10.1515/fjsb-2026-0005
Primary Topic
Diaspora, migration, transnational identity
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
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article

Fragmentiert, aber widerstandsfähig: Die belarussische Zivilgesellschaft im Exil in Litauen und Polen

Vasil Navumau
Forschungsjournal Soziale Bewegungen
Diaspora, migration, transnational identity
article

Fragmentiert, aber widerstandsfähig: Die belarussische Zivilgesellschaft im Exil in Litauen und Polen

Vasil Navumau
article en

Abstract

Zusammenfassung Dieser Artikel untersucht die sich wandelnde Dynamik der belarussischen Zivilgesellschaft im Exil, mit Fokus auf Communities in Litauen und Polen nach den Massenprotesten von 2020 und der darauffolgenden autoritären Repressionswelle. Auf Grundlage qualitativer Daten aus Fokusgruppendiskussionen, die 2025 in Vilnius und Warschau durchgeführt wurden, wird untersucht, wie belarussische Exilant*innen bürgerschaftliches Engagement, politische Identität und Solidarität unter Bedingungen von Repression, erzwungener Migration und geopolitischer Instabilität aushandeln. Die Ergebnisse zeigen ein paradoxes Feld, das sowohl von Resilienz als auch von Fragmentierung geprägt ist. Einerseits bieten Basisinitiativen, Solidaritätsnetzwerke und communitybasierte Organisationen wichtige Infrastruktur für Unterstützung und Widerstand und halten demokratische Werte abseits formaler Koordination aufrecht. Andererseits wird ihr Zusammenhalt durch weit verbreitetes Misstrauen gegenüber ebenfalls exilierten oppositionellen Eliten, emotionale Erschöpfung und Marginalisierung in den Aufnahmegesellschaften untergraben und so die kollektive Mobilisierung geschwächt. Der Krieg in der Ukraine hat die Situation der Diaspora weiter verändert und sowohl Solidarität mit den Kämpfen der Ukrainer*innen als auch Angst vor Stigmatisierung aufgrund der Komplizenschaft des belarussischen Regimes bei der Invasion verstärkt. Indem die gelebten Erfahrungen unterschiedlicher Exilant*innen – darunter Aktivist*innen, Veteran*innen, marginalisierte Communities und gewöhnliche Migrant*innen – in den Vordergrund gestellt werden, leistet diese Studie einen Beitrag zur Forschung über transnationale Protestbewegungen, post-autoritäre Zivilgesellschaften und Diaspora-Politik und hebt dabei sowohl das emanzipatorische Potenzial als auch die affektiven Grenzen des Aktivismus im Exil hervor.

Forschungsjournal Soziale BewegungenVol. 39(1)
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Reduced inequalities
Openalex Percentile: Top 47%
Diaspora, migration, transnational identity
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