Vom Pluralismus zur Perspektivlosigkeit?

Zusammenfassung Der Artikel untersucht die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Tadschikistan von der späten Sowjetzeit bis in die Gegenwart. Er zeigt, wie eine Phase intensiver gesellschaftlicher Mobilisierung Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre durch den Bürgerkrieg beendet wurde und sich die Zivilgesellschaft nach dem Krieg vor allem in Form von Nichtregierungsorganisationen neu konstituierte. In den ersten Jahren nach dem Konflikt führten finanzielle Zuwendungen von internationaler Seite und günstige rechtliche Rahmenbedingungen zu einer zeitweisen gesellschaftlichen Pluralisierung, die jedoch seit den späten 2000er Jahren durch die autoritäre Machtkonsolidierung des herrschenden Regimes und die Ausweitung der staatlichen Kontrolle über die Zivilgesellschaft zum Erliegen kam. Anhand der Entwicklungen im Autonomen Gebiet Berg-Badachschan seit der Unabhängigkeit wird die besondere Bedeutung von transnationalen Organisationen und informellen Netzwerken für die Zivilgesellschaft Tadschikistans deutlich. Die anhaltende Unterdrückung der pamirischen Minderheit seit 2021 kennzeichnet die weitgehende Zurückdrängung derjenigen zivilgesellschaftlichen Strukturen, die sich nicht allein auf den sozialen Sektor beschränken, und markiert die Verlagerung zivilgesellschaftlichen Engagements in den transnationalen und exilpolitischen Raum einer aktivistischen Diaspora.

Authors

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Publication Details

Journal
Forschungsjournal Soziale Bewegungen
Published
2026-03-04
DOI
https://doi.org/10.1515/fjsb-2026-0007
Primary Topic
China's Ethnic Minorities and Relations
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
0.00

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Vom Pluralismus zur Perspektivlosigkeit?

Richard Schmidt
Forschungsjournal Soziale Bewegungen
China's Ethnic Minorities and Relations
article

Vom Pluralismus zur Perspektivlosigkeit?

Richard Schmidt
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Abstract

Zusammenfassung Der Artikel untersucht die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Tadschikistan von der späten Sowjetzeit bis in die Gegenwart. Er zeigt, wie eine Phase intensiver gesellschaftlicher Mobilisierung Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre durch den Bürgerkrieg beendet wurde und sich die Zivilgesellschaft nach dem Krieg vor allem in Form von Nichtregierungsorganisationen neu konstituierte. In den ersten Jahren nach dem Konflikt führten finanzielle Zuwendungen von internationaler Seite und günstige rechtliche Rahmenbedingungen zu einer zeitweisen gesellschaftlichen Pluralisierung, die jedoch seit den späten 2000er Jahren durch die autoritäre Machtkonsolidierung des herrschenden Regimes und die Ausweitung der staatlichen Kontrolle über die Zivilgesellschaft zum Erliegen kam. Anhand der Entwicklungen im Autonomen Gebiet Berg-Badachschan seit der Unabhängigkeit wird die besondere Bedeutung von transnationalen Organisationen und informellen Netzwerken für die Zivilgesellschaft Tadschikistans deutlich. Die anhaltende Unterdrückung der pamirischen Minderheit seit 2021 kennzeichnet die weitgehende Zurückdrängung derjenigen zivilgesellschaftlichen Strukturen, die sich nicht allein auf den sozialen Sektor beschränken, und markiert die Verlagerung zivilgesellschaftlichen Engagements in den transnationalen und exilpolitischen Raum einer aktivistischen Diaspora.

Forschungsjournal Soziale BewegungenVol. 39(1)
Centre for East European and International Studies (DE)
University of Washington, University of Pittsburgh
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China's Ethnic Minorities and Relations
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