Rechtszynismus: Konzeptionelle Grundlagen und empirische Befundlage
Zusammenfassung Ablehnung und Zynismus gegenüber Recht und Rechtsinstitutionen werden in der angloamerikanischen Kriminologie als legal cynicism bezeichnet, sind im deutschsprachigen Raum bislang jedoch weder theoretisch noch empirisch systematisch aufgearbeitet worden. Der vorliegende Beitrag führt das Konzept des Rechtszynismus in die deutschsprachige kriminologische Diskussion ein, grenzt es von verwandten Ansätzen (z. B. Anomie-, Legitimitäts- und Moralitätskonzepten) ab, diskutiert zentrale Fragen der Messung und gibt einen Überblick über die empirische Befundlage. Auf Grundlage von Daten des European Social Survey 2004/05 werden Verbreitung sowie Zusammenhänge mit soziodemographischen Merkmalen, Wertorientierungen und Moralität in Deutschland untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Rechtszynismus zur Erklärung alltagsbezogener Delinquenz beitragen kann, jedoch keinen dominanten Einzelprädiktor darstellt. Vielmehr erweist sich Rechtszynismus als Bestandteil eines komplexen Musters aus sozialen Bedingungen, moralischen Orientierungen und institutionellen Wahrnehmungen. Der Beitrag eröffnet zudem Perspektiven für zukünftige Forschung, insbesondere hinsichtlich multidimensionaler Messinstrumente, Zusammenhängen mit Wertorientierungen sowie der Rolle von Rechtszynismus als möglichem moderierenden Deutungsrahmen zwischen moralischen Orientierungen und normabweichendem Verhalten.
Authors
- Daniel Seddig (ORCID: https://orcid.org/0000-0003-1595-6948)
Institutions
- Criminological Research Institute of Lower Saxony (DE)
Publication Details
- Journal
- Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform
- Published
- 2026-03-02
- DOI
- https://doi.org/10.1515/mks-2025-0041
- Primary Topic
- Crime Patterns and Interventions
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
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