ESG-Risikomanagement bei Banken
Zusammenfassung Die unionsrechtliche ESG-Agenda hat sich von einem expansiven „Megatrend“ zu einem zunehmend konsolidierten und in weiten Teilen sogar wieder im Rückbau befindlichen Regelungskomplex entwickelt. Im Bankaufsichtsrecht verfolgte aber auch schon die mit dem Bankenpaket 2024 eingeleitete CRR III/CRD VI-Reform selbst mit Blick auf ESG-Integration einen im Kern risikobasierten Ansatz. Der Beitrag zeigt, wie die Reform ESG-Faktoren systematisch in die Architektur der mikroprudenziellen Aufsicht einordnet: als Treiber traditioneller Risikoarten innerhalb des Konzepts „aller wesentlichen Risiken“ und unter einer konsequenten Outside-in-Perspektive. Sodann werden CRD VI und die darauf aufbauenden EBA-Leitlinien als Katalysatoren einer granularen Ausgestaltung des ESG-Risikomanagementzyklus analysiert – von Wesentlichkeitsbeurteilung und Methodik über Strategie- und Risikoappetit-Integration bis hin zur Einbindung in ICAAP/ILAAP sowie zu eigenständigen ESG-Risikoplänen mit quantifizierbaren Zielen. Abschließend entwickelt der Beitrag eine risikomanagementorientierte Lesart der Reform und arbeitet verbleibende Spannungen heraus: die Grenzlinie zwischen prudenziellem Risikoverständnis und politischer Lenkungslogik, Proportionalitätsfragen und das Risiko eines dokumentationsgetriebenen Formalismus sowie die Erosion prinzipienbasierter Aufsicht durch „Regulierung via Erwartungen“ im SREP.
Authors
- Alexander Sajnovits
Institutions
- Johannes Gutenberg University Mainz (DE)
- Heidelberg University (DE)
Publication Details
- Journal
- Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft
- Published
- 2026-02-11
- DOI
- https://doi.org/10.15375/zbb-2026-0103
- Primary Topic
- Global Financial Regulation and Crises
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
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