Die Schlüsselrolle der Dermatologie bei der Versorgung chronischer Wunden
Chronische Wunden gewinnen in Klinik und Praxis zunehmend an Bedeutung – nicht nur wegen der erheblichen Kosten für das Gesundheitssystem, sondern vor allem wegen des hohen Leidensdrucks der Betroffenen.Das Management dieser Wunden ist komplex, wie Fallbesprechungen in interdisziplinären Wundboards verdeutlichen. Dort werden die Grundlagen für umfassende Therapiekonzepte gelegt. Dermatologinnen und Dermatologen bringen dabei ihre Expertise in der Pathophysiologie und den verfügbaren Therapieoptionen ein und arbeiten eng mit Pflegekräften sowie weiteren ärztlichen Fachdisziplinen zusammen.Gleichzeitig eröffnen neue wissenschaftliche Erkenntnisse bemerkenswerte Perspektiven für das Verständnis der Wundheilung auf molekularer Ebene. Die rasch voranschreitende Entschlüsselung der zugrunde liegenden biologischen Prozesse bildet den Nährboden für innovative Therapieansätze, die darauf abzielen, chronische Wunden zielgerichtet zur Abheilung zu bringen. Das Spektrum reicht von Kaltplasma- und Stammzelltherapien über Small Molecules und Nanotherapeutika bis hin zu speziellen Wundauflagen mit antiinflammatorischen, antimikrobiellen oder proregenerativen Eigenschaften. Präklinische und klinische Studien untersuchen dabei zunehmend die Modulation zentraler Mechanismen wie Inflammation, Angiogenese und Zellproliferation. Parallel hierzu entwickeln sich KI-gestützte Instrumente zur Dokumentation und Diagnostik, die eine objektivere Beurteilung chronischer Wunden ermöglichen und den Weg hin zu personalisierten Therapieentscheidungen ebnen.In diesem Kontext gewinnt die evidenzbasierte Versorgung zunehmend an Bedeutung. Für bestimmte Wundauflagen wird die Erstattung durch die Krankenkassen künftig an den Nachweis ihrer Wirksamkeit in klinischen Studien geknüpft sein. Damit rücken eine leitliniengerechte Behandlung und der qualitätsgesicherte Einsatz von Wundtherapeutika stärker in den Fokus. Die Ausbildung spezialisierter Wundexperten, insbesondere im pflegerischen Bereich, stellt hierbei einen wichtigen Baustein dar. Zugleich kommt dem Fachbereich der Dermatologie eine zentrale Rolle zu, wissenschaftliche Erkenntnisse einzuordnen, therapeutische Standards zu definieren und die klinische Verantwortung zu übernehmen.Vor diesem Hintergrund zeigt sich die Behandlung chronischer Wunden als ein Feld, in dem molekulare Grundlagenforschung, innovative Therapieprinzipien und interdisziplinäre Versorgungsstrategien untrennbar miteinander verbunden sind. Standardisierte Dokumentations- und Behandlungskonzepte schaffen die Voraussetzung, neue Therapien kontrolliert und wirksam in die Praxis zu integrieren. Wenn Dermatologinnen und Dermatologen Verantwortung übernehmen, können Forschung und Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischen Wunden nachhaltig verbessert werden – ein Bereich, der trotz seiner Komplexität ein enormes Entwicklungspotenzial birgt und unser Fach in seiner gesamten Breite fordert.Ich hoffe, dass die Beiträge in diesem Heft Sie inspirieren, die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischen Wunden weiterhin evidenzbasiert, innovativ und interdisziplinär zu gestalten und die Chancen moderner Therapien aktiv zu nutzen.Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und verbleibe mit kollegialen GrüßenIhr Manuel Krieter
Authors
- Manuel Krieter
Institutions
- Nuremberg Hospital (DE)
Publication Details
- Journal
- Kompass Dermatologie
- Published
- 2026-02-05
- DOI
- https://doi.org/10.1159/000550401
- Primary Topic
- Wound Healing and Treatments
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
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