Der doppelte Fluss. Die Diskussion um den Verlauf des Amudarjas (Oxus) in den Geowissenschaften der Neuzeit

Zusammenfassung Der Aufsatz handelt von dem Fluss Amudarja, der in der Antike unter dem Namen „Oxus“ bekannt wurde, auf Arabisch „Ğayhūn“ heißt und der seit den 1960er Jahren vor seiner ehemaligen Mündung (Aralsee) in der Wüste versiegt. Diskutiert wird eine wissenschaftsgeschichtliche Betrachtung dieses Flusses und des Sees: Was wusste man über beide in früherer Zeit, was ahnte man, was wusste man nicht oder blendete es bewusst aus? Der Aufsatz konzentriert sich dabei auf die europäischen geographischen Forschungen des 18. und 19. Jahrhunderts, teils mit Rückgriff auf Quellen (Texte und vor allem Karten) früherer Jahrhunderte. Dem Orientalisten Wilhelm Barthold (1869–1930) folgend, wird die These aufgestellt, dass sich in der Debatte des 19. Jahrhunderts die Zukunft der damaligen „Erdkunde“ im Streit über den Lauf des Amudarjas widerspiegelt. Viele der damals Forschenden konnten sich die Lage vor Ort nicht ansehen und waren auf (ältere) Literatur oder Berichte angewiesen. Außerdem besaß die schon seit dem 18. und vor allem seit dem späten 19. Jahrhundert diskutierte Umleitung des Flusses ins Kaspische Meer politische Sprengkraft. Besprochen wird zudem eine Theorie des 19. Jahrhunderts, dass der Aralsee vom 13. bis zum 16. Jahrhundert nicht oder nur zu einem kleinen Teil existierte, in einer Zeit, als der Amudarja gen Kaspisches Meer floss.

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Journal
Historische Zeitschrift
Published
2026-02-01
DOI
https://doi.org/10.1515/hzhz-2026-0001
Primary Topic
Soviet and Russian History
Type
article
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Der doppelte Fluss. Die Diskussion um den Verlauf des Amudarjas (Oxus) in den Geowissenschaften der Neuzeit

Jörn Happel
Historische Zeitschrift
Soviet and Russian History
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Der doppelte Fluss. Die Diskussion um den Verlauf des Amudarjas (Oxus) in den Geowissenschaften der Neuzeit

Jörn Happel
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Abstract

Zusammenfassung Der Aufsatz handelt von dem Fluss Amudarja, der in der Antike unter dem Namen „Oxus“ bekannt wurde, auf Arabisch „Ğayhūn“ heißt und der seit den 1960er Jahren vor seiner ehemaligen Mündung (Aralsee) in der Wüste versiegt. Diskutiert wird eine wissenschaftsgeschichtliche Betrachtung dieses Flusses und des Sees: Was wusste man über beide in früherer Zeit, was ahnte man, was wusste man nicht oder blendete es bewusst aus? Der Aufsatz konzentriert sich dabei auf die europäischen geographischen Forschungen des 18. und 19. Jahrhunderts, teils mit Rückgriff auf Quellen (Texte und vor allem Karten) früherer Jahrhunderte. Dem Orientalisten Wilhelm Barthold (1869–1930) folgend, wird die These aufgestellt, dass sich in der Debatte des 19. Jahrhunderts die Zukunft der damaligen „Erdkunde“ im Streit über den Lauf des Amudarjas widerspiegelt. Viele der damals Forschenden konnten sich die Lage vor Ort nicht ansehen und waren auf (ältere) Literatur oder Berichte angewiesen. Außerdem besaß die schon seit dem 18. und vor allem seit dem späten 19. Jahrhundert diskutierte Umleitung des Flusses ins Kaspische Meer politische Sprengkraft. Besprochen wird zudem eine Theorie des 19. Jahrhunderts, dass der Aralsee vom 13. bis zum 16. Jahrhundert nicht oder nur zu einem kleinen Teil existierte, in einer Zeit, als der Amudarja gen Kaspisches Meer floss.

Historische ZeitschriftVol. 322(1)
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