Der „böse Italiener“ – das unbekannte Wesen
Abstract Nach 1945 entwickelte Italien eine Meistererzählung seiner Teilnahme am Zweiten Weltkrieg, die auf zwei Säulen ruhte: Die erste war die Verklärung des Widerstands gegen die deutsche Besatzung von 1943 bis 1945, die zweite die Verdrängung der italienischen Verantwortung für den Angriffskrieg der Achsenmächte. Damit ging die Leugnung oder Verharmlosung von Kriegsverbrechen einher, die italienische Truppen in den besetzten Gebieten, insbesondere auf dem Balkan, begangen hatten. Die Schuld an diesen Verbrechen wurde den bösen deutschen Verbündeten in die Schuhe geschoben, während man die guten Italiener für ihre angeblich humanitäre Kriegführung ins beste Licht rückte. Filippo Focardi rekonstruiert die Anstrengungen, die Geschichtsschreibung, Literatur und Film seit Kriegsende unternommen haben, um das Bild des guten Italieners infrage zu stellen und den verbrecherischen Charakter der faschistischen Kriegführung aufzudecken. Diese Bemühungen stießen jedoch bisher auf hartnäckigen Widerstand, so dass italienische Täter kaum juristisch zur Rechenschaft gezogen wurden und das selbstexkulpierende Image des guten Italieners bis heute Bestand hat.
Authors
- Filippo Focardi (ORCID: https://orcid.org/0000-0002-4551-6364)
Institutions
- University of Padua (IT)
Publication Details
- Journal
- Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte
- Published
- 2025-11-26
- DOI
- https://doi.org/10.1515/vfzg-2026-0003
- Primary Topic
- Italian Fascism and Post-war Society
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
- 0.00