Neues Jahr – neue Chance

Ich halte wenig von Neujahrsvorsätzen. Der Jahreswechsel wird oft zum Anlass genommen, alte Muster zu überdenken und sich neu zu erfinden. Doch diese Form der Selbstoptimierung führt meist zu überhöhten Erwartungen. Nach ein bis zwei Monaten weicht die anfängliche Motivation der Ernüchterung – es wird anstrengend, mühsam, und am Ende landet man wieder im alten Trott. Warum also auf den Jahreswechsel warten, wenn unser Arbeitsalltag uns täglich die Möglichkeit gibt, echte und notwendige Veränderungen anzugehen? Wir alle können einen Beitrag zur größten Herausforderung unserer Zeit leisten: dem schonenden, verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten. Gerade das Bauwesen bietet hierfür enorme Ansatzpunkte und dringenden Handlungsbedarf. Überall wird gebaut: Wohnraum, Infrastruktur, Erhalt von Beständen. Doch noch immer geschieht dies häufig mit hohem Ressourceneinsatz, großem CO2-Ausstoß und viel Abfall. Unser Sektor zählt weiterhin zu den größten Klimatreibern, obwohl längst viele Lösungen existieren, um das zu ändern. Die Beiträge dieses Hefts zeigen, was heute schon möglich ist: ressourcenschonende Bauweisen, systemisches Qualitätsmanagement, der Einsatz von Recyclingbeton und alternativen Bindemitteln oder vielfältige Optionen zur Ertüchtigung und zum Erhalt unseres Bestands. Dennoch erleben wir in der Praxis häufig noch Vorbehalte: zu teuer, zu aufwändig, zu neu, nicht genormt oder schlicht „Das haben wir noch nie so gemacht“. So bleibt vieles beim Alten, obwohl wir es besser wissen: nämlich, dass die Ausbeutung unserer Umwelt langfristig weitaus teurer wird als jede nachhaltige Alternative. Und doch liegt der Hebel in der Hand von uns Ingenieurinnen und Ingenieuren. Es liegt in unserer Verantwortung, nachhaltige Vorschläge konsequent einzubringen und Entscheidungsträgern keine Möglichkeit mehr zu geben, darüber hinwegzusehen. Wenn wir geschlossen auftreten, wird ein Wegsehen unmöglich. Vielleicht ist der Jahreswechsel also doch ein guter Moment – nicht für symbolische Vorsätze, sondern für ein gemeinsames, ehrliches Versprechen: Wenn wir etwas verändern wollen, sollten wir nicht warten. Wir sollten anfangen und dranbleiben. Mit Beharrlichkeit statt kurzfristigem Aktionismus. Lassen Sie uns nicht müde werden, die Themen immer wieder auf den Tisch zu bringen. Lassen Sie uns Aussagen wie „Das haben wir noch nie so gemacht“ nicht gelten. Wagen wir Pilotprojekte, neue Wege, Bauen außerhalb gewohnter Normen – wissenschaftlich begleitet, qualitätssicher und verantwortungsvoll. Nur so schaffen wir das notwendige Umdenken in der Baubranche. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in das Jahr 2026 – und viel Motivation und Mut, Veränderungen anzustoßen und voranzutreiben. Das monatliche Lesen der Beton- und Stahlbetonbau wird dabei sicher unterstützen. Juliane Wagner

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Journal
Beton- und Stahlbetonbau
Published
2025-12-31
DOI
https://doi.org/10.1002/best.70069
Primary Topic
Renewable Energy and Sustainability
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
0.00
Controls
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ALL TIME
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SEP
OCT
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Neues Jahr – neue Chance

Juliane Wagner
Beton- und Stahlbetonbau
Renewable Energy and Sustainability
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Neues Jahr – neue Chance

Juliane Wagner
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Abstract

Ich halte wenig von Neujahrsvorsätzen. Der Jahreswechsel wird oft zum Anlass genommen, alte Muster zu überdenken und sich neu zu erfinden. Doch diese Form der Selbstoptimierung führt meist zu überhöhten Erwartungen. Nach ein bis zwei Monaten weicht die anfängliche Motivation der Ernüchterung – es wird anstrengend, mühsam, und am Ende landet man wieder im alten Trott. Warum also auf den Jahreswechsel warten, wenn unser Arbeitsalltag uns täglich die Möglichkeit gibt, echte und notwendige Veränderungen anzugehen? Wir alle können einen Beitrag zur größten Herausforderung unserer Zeit leisten: dem schonenden, verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten. Gerade das Bauwesen bietet hierfür enorme Ansatzpunkte und dringenden Handlungsbedarf. Überall wird gebaut: Wohnraum, Infrastruktur, Erhalt von Beständen. Doch noch immer geschieht dies häufig mit hohem Ressourceneinsatz, großem CO2-Ausstoß und viel Abfall. Unser Sektor zählt weiterhin zu den größten Klimatreibern, obwohl längst viele Lösungen existieren, um das zu ändern. Die Beiträge dieses Hefts zeigen, was heute schon möglich ist: ressourcenschonende Bauweisen, systemisches Qualitätsmanagement, der Einsatz von Recyclingbeton und alternativen Bindemitteln oder vielfältige Optionen zur Ertüchtigung und zum Erhalt unseres Bestands. Dennoch erleben wir in der Praxis häufig noch Vorbehalte: zu teuer, zu aufwändig, zu neu, nicht genormt oder schlicht „Das haben wir noch nie so gemacht“. So bleibt vieles beim Alten, obwohl wir es besser wissen: nämlich, dass die Ausbeutung unserer Umwelt langfristig weitaus teurer wird als jede nachhaltige Alternative. Und doch liegt der Hebel in der Hand von uns Ingenieurinnen und Ingenieuren. Es liegt in unserer Verantwortung, nachhaltige Vorschläge konsequent einzubringen und Entscheidungsträgern keine Möglichkeit mehr zu geben, darüber hinwegzusehen. Wenn wir geschlossen auftreten, wird ein Wegsehen unmöglich. Vielleicht ist der Jahreswechsel also doch ein guter Moment – nicht für symbolische Vorsätze, sondern für ein gemeinsames, ehrliches Versprechen: Wenn wir etwas verändern wollen, sollten wir nicht warten. Wir sollten anfangen und dranbleiben. Mit Beharrlichkeit statt kurzfristigem Aktionismus. Lassen Sie uns nicht müde werden, die Themen immer wieder auf den Tisch zu bringen. Lassen Sie uns Aussagen wie „Das haben wir noch nie so gemacht“ nicht gelten. Wagen wir Pilotprojekte, neue Wege, Bauen außerhalb gewohnter Normen – wissenschaftlich begleitet, qualitätssicher und verantwortungsvoll. Nur so schaffen wir das notwendige Umdenken in der Baubranche. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in das Jahr 2026 – und viel Motivation und Mut, Veränderungen anzustoßen und voranzutreiben. Das monatliche Lesen der Beton- und Stahlbetonbau wird dabei sicher unterstützen. Juliane Wagner

Beton- und StahlbetonbauVol. 121(1)
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