Verantwortliches Denken und Handeln bei Hannah Arendt und Hermann Cohen

Zusammenfassung Angesichts ihrer Erschütterung über den Verlust von persönlicher Verantwortlichkeit auf der Seite der Täter im Nationalsozialismus suchte Hannah Arendt in ihren späten Vorlesungen zur Ethik nach einer Grundlegung des Zusammenhangs von Denken und Verantwortung. Eine Antwort fand sie in dem auf Sokrates und Platon zurückgehenden Gedanken, dass wir mit uns selbst im Gespräch sein und bleiben müssen, um uns als „moralische Persönlichkeit“ zu erhalten. Die vorliegende Untersuchung entwickelt das Anliegen Arendts im Gegenüber zu Hermann Cohen weiter, dessen Logik ihrerseits vom dialogischen Charakter des Denkens ausgeht, das in der Rechenschaft sich selbst gegenüber verantwortlich ist. Zugleich erscheint die Bindung von Cohens Ethik an das Faktum des Rechts im Staat angesichts der Beschränkung persönlicher Verantwortung unter einer Diktatur problematisch. Arendt ist auf dieses Problem mit der Frage eingegangen, mit wem ich Gemeinschaft haben will, um mich als Person erhalten zu können. Mit Cohens Logik zu sprechen wertet sie so den Bezug auf die Mehrheit ethisch auf, ohne die Perspektive auf die Allheit aufzugeben. Eben dieses Verhältnis trägt auch schon Cohens Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums . Das hier im Zentrum stehende Gebet der Synagoge setzt eine Gemeinschaft (Mehrheit) voraus, die sich auf eine messianische Allheit bezieht.

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Publication Details

Journal
Neue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie
Published
2025-11-21
DOI
https://doi.org/10.1515/nzsth-2025-0044
Primary Topic
Hannah Arendt's Political Philosophy
Type
article
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Verantwortliches Denken und Handeln bei Hannah Arendt und Hermann Cohen

Neue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie
Hannah Arendt's Political Philosophy
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Verantwortliches Denken und Handeln bei Hannah Arendt und Hermann Cohen

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Abstract

Zusammenfassung Angesichts ihrer Erschütterung über den Verlust von persönlicher Verantwortlichkeit auf der Seite der Täter im Nationalsozialismus suchte Hannah Arendt in ihren späten Vorlesungen zur Ethik nach einer Grundlegung des Zusammenhangs von Denken und Verantwortung. Eine Antwort fand sie in dem auf Sokrates und Platon zurückgehenden Gedanken, dass wir mit uns selbst im Gespräch sein und bleiben müssen, um uns als „moralische Persönlichkeit“ zu erhalten. Die vorliegende Untersuchung entwickelt das Anliegen Arendts im Gegenüber zu Hermann Cohen weiter, dessen Logik ihrerseits vom dialogischen Charakter des Denkens ausgeht, das in der Rechenschaft sich selbst gegenüber verantwortlich ist. Zugleich erscheint die Bindung von Cohens Ethik an das Faktum des Rechts im Staat angesichts der Beschränkung persönlicher Verantwortung unter einer Diktatur problematisch. Arendt ist auf dieses Problem mit der Frage eingegangen, mit wem ich Gemeinschaft haben will, um mich als Person erhalten zu können. Mit Cohens Logik zu sprechen wertet sie so den Bezug auf die Mehrheit ethisch auf, ohne die Perspektive auf die Allheit aufzugeben. Eben dieses Verhältnis trägt auch schon Cohens Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums . Das hier im Zentrum stehende Gebet der Synagoge setzt eine Gemeinschaft (Mehrheit) voraus, die sich auf eine messianische Allheit bezieht.

Neue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie
University of Tübingen (DE)
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