Naturgefahren im Zusammenhang mit Klimawandel
Der Klimawandel und die Herausforderungen der dadurch zu bewältigenden Naturgefahren stellen eine zunehmende Aufgabe für die nächsten Jahre dar. Dafür sind vor allem geotechnische und geologische Aspekte von entscheidender Bedeutung. Die Beiträge in diesem Heft zum Themenschwerpunkt Naturgefahren verdeutlichen diesen Umstand. Die Abgrenzung und Unterschiede bei der Planung, Ausführung, Wartung und Kontrolle von Schutzbauwerken gegen Naturgefahren zum Konstruktiven Ingenieurbau stellt dabei einen bedeutenden Aspekt dar. In Österreich wurde vor vielen Jahren mit der Standardisierung in den ÖNORM-Regelwerken begonnen, um die speziellen Anforderungen für Schutzbauwerke in Wildbächen, Lawinenschutz sowie Schutzbauwerke gegen Steinschlag darzustellen. Ein wesentlicher Punkt bei Schutzbauwerken gegen Naturgefahren ist die schwer einschätzbare Größe des Bemessungsereignisses in Verbindung mit einer wirtschaftlichen und dauerhaften Bauweise. Daher ist grundsätzlich bei derartigen Schutzbauten mit Schäden zufolge des abgeschätzten Bemessungsereignisses zu rechnen. Die neue ÖNORM B 4800, erschienen am 01. April 2025, bildet die entscheidende Grundlage für Querbauwerke in Wildbächen. Sicherungsbauwerke gegen Rutschungen bei Infrastrukturbauwerken nehmen, bedingt durch den Klimawandel – rasche Temperaturwechsel in Kombination mit Starkniederschlägen sowie langen Trockenzeiten –, exorbitant zu. Infrastrukturträger müssen in Zukunft bedacht auf Konstruktionen nehmen, die bei solchen Wetterextremen, eine längere Nutzungsdauer ermöglichen. Hangmuren im Einflussbereich von Schienen oder Straßen führen zwangsläufig zu enormen Beeinträchtigungen. Dabei wird es auch eine Herausforderung sein, die finanziellen Mittel für die Errichtung sowie Erhaltung von Schutzbauwerken, Sicherungen von Böschungen sowie das Monitoring bereitzustellen. Um wirtschaftliche und neue innovative Bauweisen erproben zu können, sind letztlich Sanierungen in Kauf zu nehmen. Einen effizienten Beitrag in diesem Zusammenhang können Hang- und Ufersicherungen aus Holzwolle-Faschinen sowie Niedrigenergiezäune (Ösenankerzäune) liefern. Gerade Straßendämme sind in den vergangenen Jahren zunehmend von oberflächennahen Rutschungen, in Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels, betroffen. Die Sanierungen der oft nur örtlichen Abschnitte sind in der Regel extrem kostenintensiv und stellen keine Dauerlösung für die Zukunft dar. Der an die jeweilige Region angepasste Bewuchs und die Konstruktionsweise kann dabei zu einer wesentlichen Verbesserung führen. Geogitter-bewehrte Erdbauwerke ermöglichen in der Regel eine effizientere CO2e-Bilanz. Durch gezielten Einsatz der Baustoffe in der Nähe des Baufelds werden die Transportwege reduziert. Gerade bei Schutzdämmen gegen Steinschlag und Lawinen haben sich mit Geogittern bewehrte Bauwerke durch ihre hohe Duktilität und Dauerhaftigkeit sehr bewährt. In der Praxis wird diesem Umstand durch die neue „ÖNORM B 4801 – Technischer Lawinenschutz“ sowie durch die sich derzeit in Überarbeitung befindende „ÖNORM B 4802 – Technischer Steinschlagschutz“ Rechnung getragen. Gerade für Forschungsthemen über innovative Bauwerke mit Geokunststoffen und neue dauerhaftere Konstruktionen für Schutzbauwerke sollten in Zukunft mehr öffentliche Fördermittel zur Verfügung stehen. In der Lehre muss die Umsetzung, Erhaltung und Kontrolle von Schutzbauwerken gegen Naturgefahren sowie die notwendigen Anpassungen der Objekte im Siedlungs- und Lebensraum einen noch umfangreicheren Stellenwert einnehmen. In Zukunft werden Studiengänge an technischen Universitäten mit dem Scherpunkt konstruktive Ausführung von Bauwerken in Zusammenhang mit dem Klimawandel und Naturgefahren vermehrt zum Standard gehören müssen. Die praxisbezogene Forschung, unter Beteiligung der Stakeholder, wie z. B. öffentliche Institutionen, Ingenieurbüros, Wissenschaft und ausführende Firmen müssen in naher Zukunft deutlich intensiviert werden. Robert Hofmann
Authors
- Robert Hofmann (ORCID: https://orcid.org/0000-0002-7468-5060)
Institutions
- Universität Innsbruck (AT)
Publication Details
- Journal
- Bautechnik
- Published
- 2025-12-01
- DOI
- https://doi.org/10.1002/bate.70059
- Primary Topic
- Civil and Structural Engineering Research
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
- 0.00