Klinische Ergebnisse von Chlormethin‐Gel bei Mycosis fungoides in “sensiblen” Bereichen: Eine retrospektive Fallserie
Sehr geehrte Herausgeber, Chlormethin (CL)-Gel ist das erste topische Therapeutikum, das zur Behandlung der Mycosis fungoides (MF) entwickelt wurde.1 In internationalen Leitlinien wird es zur Erstlinientherapie für erwachsene Patienten mit MF im Frühstadium (IA-IIA) und in Kombination mit systemischen Therapien für Patienten in fortgeschrittenen Stadien empfohlen.2-4 Obwohl klinische Studien und Evidenz aus der Praxis seine Wirksamkeit belegen,5, 6 ist die Anwendung von CL-Gel an anatomisch “sensiblen” Stellen (wie Gesicht, Anogenitalbereich und Intertrigines) aufgrund des Risikos lokaler unerwünschter Ereignisse (AEs), insbesondere irritativer Kontaktdermatitis (irritant contact dermatitis, ICD) schwierig.7 Obwohl einige anekdotische Belege darauf hindeuten, dass CL-Gel an solchen Stellen verwendet werden kann,8, 9 besteht ein Bedarf an realen Daten, um seine Wirksamkeit zu belegen und Behandlungsstrategien für damit verbundene AEs zu beschreiben. Von Januar 2020 bis April 2024 führten wir eine retrospektive Fallserie an zwei italienischen tertiären Referenzzentren durch. Die Studie wurde von der Ethikkommission Milano Area 2 genehmigt (Protokollnummer: 0007202). Die in Frage kommenden Patienten hatten eine histologisch bestätigte MF-Diagnose mit mindestens einem betroffenen “sensiblen” Bereich und wurden mit CL-Gel behandelt. Die Untersuchungen erfolgten zu Beginn der Behandlung und alle 3 Monate nach anerkanntem Standard und institutionellen Protokollen. Das Ansprechen wurde anhand eines modifizierten Composite Assessment of Index Lesion Severity (mCAILS) bewertet, bei dem die Hyperpigmentierung ausgeschlossen wurde.7, 8 Die objektive Ansprechrate (objective response rate, ORR), definiert als der Anteil der Patienten, die bei der Bewertung nach drei Monaten entweder ein vollständiges (mCAILS = 0) oder ein teilweises Ansprechen (≥ 50% Verringerung des mCAILS) erreicht hatten,6 wurde berechnet. Die Nebenwirkungen wurden nach den Common Terminology Criteria for Adverse Events, Version 5.0, des National Cancer Institute eingestuft.10 Wir schlossen acht Patienten (5 Männer und 3 Frauen) mit MF in verschiedenen Stadien ein (75% im Frühstadium) (Tabelle 1). Die Patienten waren im Median 56,5 Jahre alt (Q1 = 50; Q3 = 58,5), und das mediane Alter bei der Diagnose betrug 43,5 Jahre (Q1 = 40; Q3 = 49). Klinische Varianten waren klassische MF (n = 5), follikulotrope MF (n = 2) und poikilodermatische MF (n = 1). “Sensible” Bereiche waren Augenlider (n = 3), Leiste, Wange, Perineum, Schamgegend, Penis und Scrotum. Vier Patienten (50%) verwendeten gleichzeitig topische Kortikosteroide (TCS), um die lokale Reizung zu verringern, und drei Patienten (38%) erhielten eine systemische Therapie. Zwei Patienten (25%) wendeten das CL-Gel täglich an und sechs Patienten (75%) applizierten es jeden zweiten Tag. Die mediane Behandlungsdauer betrug 3 Monate (Q1 = 2; Q3 = 3,5). Nach drei Monaten erreichten sechs Patienten (75%) die ORR, während zwei Patienten eine persistierende Erkrankung hatten, deren Schweregrad jedoch abnahm. Bei den Patienten, die sich einer systemischen Therapie unterzogen, wurde das CL-Gel gezielt bei rezidivierenden oder neuen Läsionen eingesetzt, was die allgemeine Krankheitskontrolle weiter unterstützte. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 22 Monaten (Q1 = 14; Q3 = 42) erreichten sechs Patienten ein vollständiges Ansprechen (mCAILS = 0), während zwei (25%) eine minimale Restkrankheit aufwiesen (Abbildung 1). Unerwünschte Ereignisse traten bei sechs Patienten (75%) auf, darunter leichte ICD bei drei Patienten (38%), mäßige ICD bei zwei (25%) und schwere ICD bei einem (13%). Bis auf einen Patienten setzten alle anderen das CL-Gel nach kurzer Unterbrechung oder reduzierter Anwendungshäufigkeit fort. Zur Behandlung von Entzündungen wurden begleitend TCS eingesetzt, wobei die Ärzte aufgrund des erhöhten Risikos einer steroidbedingten Atrophie in sensiblen Bereichen vorsichtig blieben. Bei sechs Patienten (75%) wurde in den behandelten Bereichen eine vorübergehende Hyperpigmentierung beobachtet. Obwohl klinische Studien darauf hindeuten, dass in sensiblen Bereichen ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen bei der Anwendung von CL-Gel besteht,7, 8 zeigt diese retrospektive Fallserie, dass CL-Gel bei MF-Läsionen in empfindlichen Hautregionen sowohl sicher als auch wirksam sein kann. Die gleichzeitige Anwendung von TCS scheint die Verträglichkeit zu verbessern, was mit früheren Beobachtungen übereinstimmt.6 Zu den Einschränkungen der Studie gehören das retrospektive Design, die relativ kleine Stichprobengröße und die ausschließliche Einbeziehung hellhäutiger Patienten. Künftige prospektive Studien sollten die optimalen Anwendungszeitpläne untersuchen, unterstützende Maßnahmen zur Vorbeugung oder Behandlung von ICD bewerten und die Rolle von CL-Gel in Kombination mit systemischen Wirkstoffen weiter klären. Open access publishing facilitated by Universita degli Studi di Milano, as part of the Wiley - CRUI-CARE agreement. Keiner.
Authors
- Pamela Vezzoli (ORCID: https://orcid.org/0000-0001-8401-081X)
- Angelo Valerio Marzano (ORCID: https://orcid.org/0000-0002-8160-4169)
- Gianluca Avallone (ORCID: https://orcid.org/0000-0001-7253-2370)
- Gianluca Tavoletti (ORCID: https://orcid.org/0000-0001-8901-318X)
- Paolo Sena (ORCID: https://orcid.org/0000-0002-2064-8600)
- Emilio Berti (ORCID: https://orcid.org/0000-0001-6753-4910)
- Silvia Alberti Violetti (ORCID: https://orcid.org/0000-0001-7163-1035)
Institutions
- University of Milan (IT)
- Fondazione IRCCS Ca' Granda Ospedale Maggiore Policlinico (IT)
- MultiMedica (IT)
- Ospedale Papa Giovanni XXIII (IT)
Publication Details
- Journal
- JDDG Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft
- Published
- 2025-11-01
- DOI
- https://doi.org/10.1111/ddg.15797_g
- Primary Topic
- Cutaneous lymphoproliferative disorders research
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
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