Erweiterte Abschreckung und strategische Stabilität in Europa: Deutschland und seine Partner brauchen einen Plan für die Zukunft
Zusammenfassung Die NATO wird in den nächsten Jahren erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um die erweiterte nukleare Abschreckung glaubwürdig zu halten. Russland hat heute einen enormen quantitativen und qualitativen Vorteil bei den nicht-strategischen Kernwaffen. Das nukleare Ungleichgewicht im nordatlantischen Raum wirkt destabilisierend und erhöht die Gefahr einer Abkopplung der Sicherheit Europas von den Vereinigten Staaten. Die NATO braucht deshalb jetzt zusätzliche nukleare Abschreckungsfähigkeiten. Diese müssen der Allianz auch für den Fall einer Doppelkrise in unterschiedlichen Weltregionen gesicherte, durchhaltefähige und flexible Reaktionsmöglichkeiten bieten. Die Bundesregierung sollte deshalb mit der neuen US-Administration und ihren europäischen Verbündeten unterschiedliche Maßnahmen zur Stärkung der nuklearen Teilhabe und der Glaubwürdigkeit der erweiterten Abschreckung prüfen. Hierzu gehören: In Europa gelagerte B61-Bomben sollten aufgestockt werden. Weitere Bündnispartner sollten stärker in die nukleare Teilhabe eingebunden werden. Die nuklearen Optionen der NATO sollten um luftgestützte Marschflugkörper und neue europäische Trägersysteme erweitert werden. Europäische Bündnispartner sollten sich an den Beschaffungskosten für zusätzliche Kernwaffen in und für Europa beteiligen. Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen können die Glaubwürdigkeit der militärischen Abschreckung und zugleich auch der europäische Pfeiler der NATO gestärkt werden.
Authors
- Frank Hagemann
Institutions
- Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (DE)
Publication Details
- Journal
- SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen
- Published
- 2025-03-30
- DOI
- https://doi.org/10.1515/sirius-2025-2012
- Primary Topic
- Nuclear Issues and Defense
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
- 0.00