Sprachliche Resonanzen des Krieges: Transferneologismen im Deutschen, Ukrainischen und Russischen
Zusammenfassung Die vorliegende Studie arbeitet aktuelle lexikalische Transfer- bzw. Entlehnungsvorgänge (im Aufsatz Transferneologismen genannt) im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg am Material der ukrainisch-, der russisch- und der deutschsprachigen Medienkommunikation mittels einer datenbasierten Untersuchung mit primär qualitativem Design heraus. Die themenzentrierte Analyse hat deutlich gemacht, dass tiefgreifende politische Veränderungen kommunikative Folgen für den Sprachgebrauch haben: Die interlingualen Wechselwirkungen erreichen selbst bei Sprachen mit vergleichsweise unterschiedlichen Strukturtypen und Systemen – wie Ukrainisch und Russisch einerseits und Deutsch andererseits – eine bemerkenswerte Intensität. Hinsichtlich des Umgangs mit den Transferneologismen konnten vier zentrale Praktiken festgestellt werden: (a) die Originalform ohne Kommentar, (b) die Originalform + ihre Transkription, (c) nur ihre Transkription und (d) die Originalform + ihre Übersetzung oder Umschreibung. Es wurde dabei nachgewiesen, dass die Entstehung von Okkasionalismen auch im zwischensprachlichen Bereich durchaus ein produktiver Vorgang ist. Die behandelten Okkasionalismen als Neologismen im weiteren Sinne stellen zudem die hochgradige Variabilität des lexikalischen Teilsystems von Sprache unter Beweis.
Authors
- Csaba Földes (ORCID: https://orcid.org/0000-0002-4711-2072)
Institutions
- University of Erfurt (DE)
Publication Details
- Journal
- Glottotheory
- Published
- 2025-10-28
- DOI
- https://doi.org/10.1515/glot-2025-2010
- Primary Topic
- Linguistic research and analysis
- Type
- article
- Field-Weighted Citation Impact
- 0.00