Digitale Gesundheitsanwendungen bei Essstörungen: Nutzungsverhalten und Einstellungen psychologischer Behandelnder

Hintergrund: Essstörungen sind mit hohem Leidensdruck verbunden und führen bei ausbleibender Behandlung häufig zur Chronifizierung. Gleichzeitig führen etwa lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz zur Unterversorgung Betroffener. Die in Deutschland gesetzlich verankerte Versorgung von Versicherten mit Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) könnte Behandlungslücken schließen. Die vorliegende Studie untersucht die Nutzung von DiGAs bei Essstörungen und die Einstellung von Behandelnden in Deutschland dazu. Methode: In einer Online-Befragung wurden die Verordnungsrate von DiGAs, die Einstellung der Behandelnden (N = 133) sowie ihre Einschätzung erfasst, inwieweit DiGAs zentrale Therapieelemente bei Essstörungen abbilden können. Ergebnisse: DiGAs wurden von 18% aller Befragten und von 27% der Verordnungsberechtigten verordnet, ein Großteil hatte keine Nutzungserfahrung. Zwei DiGAs sind aktuell zur Essstörungsbehandlung zugelassen, beide waren weitgehend unbekannt. Die Befragten berichteten im Mittel eine leicht positive Einstellung zu Online-Interventionen: Während das Vertrauen in die Wirksamkeit hoch ausgeprägt war, wurden gleichzeitig Defizite der Anwendungen wahrgenommen. Laut den Befragten eignen sich DiGAs insbesondere für Routinetätigkeiten wie Verhaltensprotokollierung. Bedenken bestanden hinsichtlich der fehlenden therapeutischen Beziehung. Die Einstellung zu DiGAs wurde durch das Alter der Behandelnden sowie die Anzahl bekannter DiGAs prädiziert. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Informationsbedarf zu DiGAs und ihrer Verordnung bei den Behandelnden auf. Weiterführende Forschung ist hinsichtlich zusätzlicher relevanter Faktoren für die Einstellungsbildung und die Implementierung im klinischen Alltag notwendig.

Authors

Publication Details

Journal
Verhaltenstherapie
Published
2025-10-16
DOI
https://doi.org/10.1159/000548655
Primary Topic
Eating Disorders and Behaviors
Type
article
Field-Weighted Citation Impact
0.00
Controls
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article

Digitale Gesundheitsanwendungen bei Essstörungen: Nutzungsverhalten und Einstellungen psychologischer Behandelnder

Thomas Kubiak, Lilli-Sophie Priesterroth, Jennifer Grammes, Jana Deinet
Verhaltenstherapie
Eating Disorders and Behaviors
article

Digitale Gesundheitsanwendungen bei Essstörungen: Nutzungsverhalten und Einstellungen psychologischer Behandelnder

Thomas Kubiak, Lilli-Sophie Priesterroth, Jennifer Grammes, Jana Deinet
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Abstract

Hintergrund: Essstörungen sind mit hohem Leidensdruck verbunden und führen bei ausbleibender Behandlung häufig zur Chronifizierung. Gleichzeitig führen etwa lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz zur Unterversorgung Betroffener. Die in Deutschland gesetzlich verankerte Versorgung von Versicherten mit Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) könnte Behandlungslücken schließen. Die vorliegende Studie untersucht die Nutzung von DiGAs bei Essstörungen und die Einstellung von Behandelnden in Deutschland dazu. Methode: In einer Online-Befragung wurden die Verordnungsrate von DiGAs, die Einstellung der Behandelnden (N = 133) sowie ihre Einschätzung erfasst, inwieweit DiGAs zentrale Therapieelemente bei Essstörungen abbilden können. Ergebnisse: DiGAs wurden von 18% aller Befragten und von 27% der Verordnungsberechtigten verordnet, ein Großteil hatte keine Nutzungserfahrung. Zwei DiGAs sind aktuell zur Essstörungsbehandlung zugelassen, beide waren weitgehend unbekannt. Die Befragten berichteten im Mittel eine leicht positive Einstellung zu Online-Interventionen: Während das Vertrauen in die Wirksamkeit hoch ausgeprägt war, wurden gleichzeitig Defizite der Anwendungen wahrgenommen. Laut den Befragten eignen sich DiGAs insbesondere für Routinetätigkeiten wie Verhaltensprotokollierung. Bedenken bestanden hinsichtlich der fehlenden therapeutischen Beziehung. Die Einstellung zu DiGAs wurde durch das Alter der Behandelnden sowie die Anzahl bekannter DiGAs prädiziert. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Informationsbedarf zu DiGAs und ihrer Verordnung bei den Behandelnden auf. Weiterführende Forschung ist hinsichtlich zusätzlicher relevanter Faktoren für die Einstellungsbildung und die Implementierung im klinischen Alltag notwendig.

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